Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Krieg in Mittelnkirchen: Autofahrer werfen mit Windeln

at. Mittelnkirchen. Hupen, laute Musik und Windeln im Vorgarten: In Mittelnkirchen heißt es zurzeit Anwohner gegen Autofahrer. Die Mittelnkirchner kämpfen für eine Tempo-30-Zone an der Landesstraße 140, gegen Schwerlastverkehr und Raser (das WOCHENBLATT berichtete).
Die Anwohner versuchen, ihren Forderungen mit einer Autoblockade Nachdruck zu verleihen: Die Anwohner bremsen den Feierabendverkehr aus, indem sie ihre Wagen auf die Fahrbahn an den Straßenrand stellen. Das provoziert kilometerweite Staus und erzürnt Pendler und Fahrer. Sie lassen ihre Wut wiederum an Passanten aus: Es fliegen Windeln und Butterbrote durch die Luft. Auf der Internetplattform Facebook ist eine hitzige Diskussion unter den Autofahrern entbrannt, wie man den Anwohnern die Stauzeit heimzahlen kann. "Hab heute meine Anlage im Auto bis zum Anschlag aufgedreht, damit die Anwohner auch was von meiner Musik haben, wenn ich da schon im Stau stehe", schreibt einer. "Macht die Reifen platt von diesen Bekloppten", schreibt ein anderer. Viele reagieren mit Unverständnis, nennen die Aktion "lächerlich" und "peinlich".
Joachim Streckwaldt, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Verkehrslärm, kann die Wut der Pendler zwar nachvollziehen, "es ärgert mich aber, dass sie nicht verstehen, warum wir das machen." Er hat schon gesehen, wie Autofahrer den Bürgersteig als Abkürzung benutzten. Und viele würden sich nicht an die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer halten. "Durch das Dorf fahren fast 12.000 Autos und Lkws am Tag", sagt Streckwaldt. Er bezieht sich dabei auf die neuen Zahlen, die das Land Niedersachsen nach einer Verkehrszählung veröffentlicht hat. Er und die Mitglieder der Bürgerinitiative sind der Meinung, nur mit Tempo 30 in der gesamten Ortschaft würde es eine Besserung geben. "So können die Bewohner in Mittelnkirchen wenigstens im Sommer draußen sitzen", sagt Streckwald. Und wenn die Autofahrer nun auf die umliegenden Dörfer ausweichen? "Wir haben alle viel zu lange geschlafen", sagt Joachim Streckwaldt. "Wir müssen alle endlich aufwachen und an einem Strang ziehen." Nur gemeinsam könne man die Situation ändern.
Der Samtgemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung ebenfalls über das Thema diskutiert. Die Politiker setzten ein Schreiben an die Landesbeauftragte Jutta Schiecke auf, in ihm beschreiben sie die Verkehrssituation in Mittelnkirchen und formulieren ihre Forderungen. Unter anderem sind das: Tempo 30 im Ort, Durchfahrtsverbot für Lkws zwischen 22 und 6 Uhr sowie an Wochenenden und ein Überholverbot im gesamten Ort.