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Schülerlotsen begleiten Kinder an gefährlicher Ampel

Sicher über die Straße: Der ehrenamtliche Schülerlotse Abdul-Rahmann Jimo mit Fentje (li.) und Lara
 
Timo Gerke (li.) und Abdul-Rahmann Jimo (re.) begleiten Lara (2. v. li.) und Fentje über die Straße. Schulleiterin Tina Reiß (Mitte), hat das Projekt mitinitiiert (Foto: am)
am. Hollern-Twielenfleth. An der L 140 vor der Grundschule in Hollern-Twielenfleth herrscht morgens zwischen sieben und acht Uhr Hochbetrieb. Pendler nehmen diesen Weg, um nach Stade, Hamburg oder Buxtehude zu kommen, Eltern bringen ihre Kinder zur Schule. Doch obwohl hier eine Ampel für einen sicheren Schulweg sorgen sollte, wollen viele Eltern ihre Kinder nicht die Straße allein überqueren lassen. Anstatt auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu halten, fahren sie ihre Kinder lieber mit dem Auto bis vor die Schultüren. Jetzt haben Freiwillige das Problem in Angriff genommen. Um die Straßenquerung sicherer zu machen, unterstützen sie im Morgengrauen die Kinder als Schülerlotsen.
Nach den Sommerferien hatte die Schulleiterin, Tina Reiß, einen Brief an alle Eltern geschickt in dem sie um Hilfe bei dem Schullotsen-Projekt bat. "Leider haben sich nur sieben Personen gemeldet", sagt sie. Deswegen ist sie sehr dankbar über das Angebot von Abdul-Rahmann Jimo. Obwohl sein Kind die Grundschule noch nicht besucht, weil es noch zu klein ist, steht der Flüchtling aus Syrien jeden Morgen mit einem weiteren Lotsen an der viel befahrenen Straße und macht mit Warnweste und roter Winkerkelle auf die Schüler aufmerksam. "Ich möchte etwas zurückgeben", sagt er dankbar. Auch Bürgermeister Timo Gerke, engagiert sich hier. Sein Sohn besucht die Grundschule in Hollern-Twielenfleth.
Das Problem ist die Ampel selbst. Sie wird von Autofahrern regelmäßig bei Rot überfahren. Bürgermeister Timo Gerke beobachtet diesen Vorgang seit Längerem. "Es sind nicht die ortsfremden Touristen, sondern vor allem die einheimischen Pendler, die sich hier nicht an die Verkehrsregeln halten", sagt er. Dabei sei das in der Regel nicht mutwillig. "Die Ampel ist einfach sehr schlecht sichtbar vor allem, wenn man in Kolonne fährt". Das sieht auch Siegfried Häussler von der Verkehrswacht Buxtehude so. Er hat vor zwei Wochen die freiwilligen Lotsen instruiert und sich dabei ein Bild von der "unsichtbaren" Ampel gemacht.
Die Freiwilligen wollen nun die Kinder in der dunklen Jahreszeit unterstützen. Doch auf lange Sicht müsse die Ampelsituation verbessert werden, so Timo Gerke. Die zuständige Landesstraßenbehörde arbeitet bereits an einer Lösung. Denn in der vergangenen Woche begutachteten Mitarbeiter des Landes und Polizisten im Rahmen einer Verkehrsschau die Situation um die Ampel. "Sie haben diese Straßenüberquerung tatsächlich als gefährlich eingestuft", sagt Gerke.
Über diese Entwicklung und die Aussicht auf eine baldige Lösung ist die Schulleiterin sehr glücklich. Denn wenn die Ampel sicherer wird, entspannt sich auch vermutlich die problematische Situation auf dem Parkplatz der Schule. Dieser ist klein und bietet wenig Platz zum Rangieren. "Vor allem im Dunkeln ist es hier gefährlich", sagt Reiß. "Beim Zurücksetzen kann hier schnell mal ein Kind übersehen werden." Einige Eltern würden zum Wenden einen Teil des Fußgängerweges benutzen und dadurch die Schüler in Gefahr bringen. Die Schule gebe immer wieder die Empfehlung, den Schulparkplatz nicht zu benutzen, doch viele Eltern würden sich aus Angst vor der gefährlichen Ampel nicht danach richten.