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Strandaufseher Ernst-August Pape aus Bassenfleth bekleidet ein aufregendes Ehrenamt

Strandaufseher Ernst-August Pape (Foto: am)
  am. Bassenfleth. "Sie haben es direkt am Strand gemacht, am hellichten Tag." Ernst-August Pape (77) traute seinen Augen nicht, als er ein ungeniertes Pärchen beim Liebesakt erwischte. Pape ist ehrenamtlicher Strandaufseher am Elbufer in Bassenfleth - an heißen Tagen wie diesen das Paradies für viele Menschen. Feiernde Jugendliche und Müllberge, ja, damit hatte er gerechnet, aber dass er hier solche Geschichten erleben würde, das hätte er nicht gedacht.

Seit Juni diesen Jahres regelt er in Bassenfleth die Dinge mit seiner eigenen, offenen und trockenen Art. "Das kann ich nicht ab, wenn die Grillkohle im Sand liegenbleibt." sagt der energische Rentner. Unermüdlich spricht er Strandpicknicker an, redet Müllsündern ins Gewissen und erntet dafür oft lobende Worte, manchmal auch böse Blicke. Er ist sich auch nicht zu schade, den Müll anderer Leute selbst aufzusammeln. "Der Strand soll sauber sein." Abends guckt er den feiernden Jugendlichen freundlich aber bestimmt auf die Finger.

Ein Müllbeutel, ein Fernglas, die gelbe Weste und eine Müllzange - das ist seine Ausrüstung. An heißen Tagen steigt Ernst-August Pape dreimal über den Elbdeich in Bassenfleth, um über den beliebten Sandstreifen zu wachen.

Mit seiner gelben Weste ist er von Weitem zu sehen und strahlt eine gewisse Autorität aus. Die Strandbesucher kommen zu ihm, wenn es Probleme gibt, wenn Kinder ihre Eltern verlieren, verwesende Fische am Strand liegen und selbst wenn Leben gerettet werden müssen.

So wie an einem Wochenende im August. „Da kam eine Frau zu mir und beschwerte sich über ein Pärchen, etwa 30 oder 40 Jahre alt, das am Strand ‚zugange war‘“. Sie berichtete, dass um das Pärchen herum eine Gruppe von Männern stehen und lachen würde. Als Ernst-August Pape den Platz erreichte, sei das Spektakel beendet gewesen. Also habe er sich hingesetzt und gewartet und tatsächlich fingen die beiden nach einer halben Stunde wieder an. „‘Aufhören! So etwas gibt es nicht an meinem Strand‘, habe ich gerufen“, sagt der Rentner. Drei Tage später hätten die beiden wieder friedlich und angezogen am Strand gesessen.

Ernst-August Pape achtet auf Sittsamkeit am Strand. Die „Nackedeis“, wie er sie nennt, hätten da, wo Kinder spielen, nichts zu suchen. Die liegen an einem Ende des Strandes. Auch hier dreht der Strandaufseher seine Runde und hält Pläuschchen mit den Fans der Freikörperkultur. „Wir fühlen uns ohne Kleidung einfach frei“, erzählt Birgit aus Kiel, die mit ihrem Mann aus Neu Wulmstorf erst kürzlich den Bassenflether Strand entdeckt hat. Ernst-August Pape verabschiedet sich und geht wieder zurück zur Mitte des Strandes. „Denkt bitte daran, am Schluss die Asche und den Müll zu entsorgen“, sagt er einer Gruppe junger Erwachsener, die in dem Sand ein Strandpicknick veranstalten. Erst reagieren sie etwas angespannt, doch am Ende wird gescherzt und der Strandaufseher geht mit langsamen Schritt und einem Lächeln auf den Lippen davon. „Nur einmal ist mir einer dumm gekommen, da habe ich mit dem Ordnungsamt gedroht und da war er gleich ganz kleinlaut“, sagt der Rentner. Aber die meisten seien ganz dankbar, dass es jemanden gibt, der hier aufpasst.

Dann erzählt er von einer Frau, die ihm für seine Hilfe fünf Euro in die Hand gedrückt hat. Sie hatte ein Kleinkind auf dem Arm, das seine Eltern verloren hatte. Der Strandaufseher half beim Suchen. Schließlich habe sich der Vater finden lassen. Der hatte nicht einmal bemerkt, dass sein Kind verschwunden war.

Die Menschen würden zu wenig aufpassen, so der Strandwächter. Er erzählt von einem Rentner, der fast ertrunken wäre. Der Mann hatte erst in der prallen Sonne gelegen und sei danach kopfüber ins kalte Wasser gesprungen. Am Strand wurde er von Badegästen reanimiert. Eigentlich sei das hier kein Badestrand, so der Aufseher.

Während er erzählt, tippt ihm eine Frau auf die Schulter. „Da drüben liegt ein riesiger verfaulter Fisch am Strand“, sagt die Hundebesitzerin. „Mein Hund wollte sich gerade darin suhlen.“ Auch darum kümmert sich der Mann mit der gelben Weste.