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Strandkrabben in Bassenfleth: "Ein Zeichen für die Versalzung der Elbe"

Diese Strandkrabbe flitzte über den Bassenflether Strand
 
Chinesische Wollhandkrabben sind größer als Strandkrabben und dringen bis ins Binnenland vor (Foto: ©Christian Fischer)
lt. Hollern-Twielenfleth. Eigentlich ist das Meer die Heimat der Strandkrabbe. Doch die kleinen Krebse flitzen inzwischen auch schon über die Elbstrände im Alten Land, z.B. in Bassenfleth. Für Georg Ramm vom NABU Stade ist das ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Elbe zunehmend versalzt.
"In dieser Region auf Strandkrabben zu treffen, ist schon recht ungewöhnlich", sagt Ramm. Im Gegensatz zu der vor rund 100 Jahren eingeschleppten Chinesischen Wollhandkrabbe brauche die Strandkrabbe nämlich einen gewissen Salzgehalt im Wasser, um überleben zu können.
Das Vorkommen der Strandkrabbe sei damit ein Zeichen für die Verschiebung der sogenannten Brackwasserzone, in der sich Salzwasser aus der Nordsee mit dem Süßwasser des Flusses vermischt.
In den 1960er Jahren lag die Brackwassergrenze noch bei Glückstadt, inzwischen ist der Einfluss des Meeres laut NABU bis zur Elbinsel Lühesand nachweisbar.
Die Strandkrabbe vom Bassenflether Strand, die natürlich von all dem nichts ahnt, ist somit auch ein gefundenes Fressen für alle Gegner der Elbvertiefung, die tiefgreifende Veränderungen des Ökosystems befürchten. So sorgt nämlich u.a. eine Vertiefung der Fahrrinne der Elbe dafür, dass sich mehr Schlick ablagert und die Brackwassergrenze wandert.
Der Salzgehalt der Elbe hängt außerdem mit dem steigenden Spiegel der Nordsee sowie der Tide und den Windverhältnissen zusammen.
Ab welchem Salzgehalt das Wasser der Elbe als salzig gilt ist übrigens nicht klar definiert. Viele Obstbauern sagen aber, dass sie das Wasser schon ab einem Promille Salzgehalt nicht mehr zur Beregnung verwenden können.
Dieser Wert ist übrigens am Sperrwerk in Wischhafen fast erreicht. Laut der aktuellen Messdaten des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Hamburg beträgt der Salzgehalt dort 0,9 Promille, das entspricht 0,5 Gramm Salz pro Liter. Am Lühesperrwerk liegt der Salzgehalt bei 0,3 Gramm pro Liter, das sind 0,54 Promille.
Weitere aktuelle Messdaten zum Salzgehalt in der Elbe gibt es unter www.esteburg.de, Rubrik "Service", Unterpunkt WSA Hamburg.


Zur Strandkrabbe:
Strandkrabben kommen sehr häufig an gemäßigten und subtropischen Küsten vor. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist die Atlantikküste Europas und Nordafrikas. Von den Menschen wurde sie in anderen Regionen eingeschleppt, so dass sie inzwischen als fast weltweit verbreitet gilt. Strandkrabben sind anpassungsfähige Allesfresser. Ihr einteiliger Rückenschild kann bei männlichen Tieren einen Durchmesser von bis zu 86 mm erreichen, bei weiblichen bis zu 70 mm.
Strandkrabben haben viele Fressfeinde. So stehen sie u.a. auf dem Speiseplan von Seevögeln, Fischen und Kopffüßern. Strandkrabben können bis zu zehn Jahre alt werden.

Zur Chinesischen Wollhandkrabbe:
Die Chinesische Wollhandkrabbe wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von China nach Europa eingeschleppt. Namen gebend ist der dichte Wollpelz an den Scheren der Männchen. Wollhandkrabben können eine Gesamtbreite bis zu 30 Zentimeter erreichen. Sie besiedeln größere Flussläufe und leben dort überwiegend nachtaktiv am Grund. Zur Nahrung der Wollhandkrabbe gehören Wasserpflanzen, Insektenlarven, Muscheln, Schnecken, kleinere Fischen und Aas. Die erwachsenen Tiere leben im Süßwasser, benötigt zur Entwicklung aber salziges Wasser. Bei Wanderungen können die Tiere bis zu zwölf Kilometer am Tag zurücklegen und sind deshalb auch häufig im Binnenland zu finden, wo sie zur Gefahr für Fische in Teichen werden können.