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Tempo-30-Zone in Mittelnkirchen: Landkreis stellt Schilder auf

Die Bewohner aus Mittelnkirchen freuen sich über die gerade aufgestellten Tempo-30-Schilder (Foto: oh)
 
Joachim Streckwaldt hält die offizielle Pressemitteilung des Landkreises in den Händen.
at. Mittelnkirchen. Der Landkreis macht Ernst: Vor rund zwei Wochen kündigte Dezernentin Nicole Streitz eine Tempo-30-Zone für Schwerlasttransporte in Mittelnkirchen an. Seit vergangener Woche weisen jetzt endlich auch Verkehrsschilder auf das Tempolimit hin. Die Bewohner von Mittelnkirchen kämpfen seit einiger Zeit um eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Schwerlasttransporte (das WOCHENBLATT berichtete).
Joachim Streckwaldt, Sprecher der Bürgerinitiative, ist erleichtert: "Endlich kehrt ein wenig Ruhe ein." Wenn Streckwaldt in seinem Garten sitzt, sucht er die nämlich vergebens. Im Sekundentakt fahren Liefer- und Schwerlasttransporter an seinem Haus vorbei. "Als nächstes kommt ein Bus, der ist leer", sagt er. Und nur zwei Sekunden später rauscht der vorbei. Sein neues "Talent" beweist Streckwald während des Gesprächs immer wieder: Jedes Gefährt, das die schmale Straße vor seinem Haus passiert, kann er benennen. "Die 20 Stundenkilometer weniger bringen weniger Erschütterungen und Lärm", sagt Streckwaldt. Einige Schwertransporter hielten sich auch ohne die Schilder bereits an Tempo 30. Die Geschwindigkeit müssen nun alle Gefährte ab 3,5 Tonnen einhalten, also schon kleine Transporter.
Eine Vielzahl dieser Fahrzeuge nutzt das Alte Land als kostengünstige und schnelle Alternative zu den mautpflichtigen Autobahnen.
Joachim Streckwaldt hat genau nachgerechnet: Nach einer Zählung des Landkreises fahren durch Mittelnkirchen täglich 5.000 Autos in jede Richtung, dazu kommen 700 Lieferfahrzeuge inklusive Schwerlasttransporten. Was bei dieser Zählung ebenfalls ermittelt wurde: Von den insgesamt 11.400 Fahrzeugen fahren 3.745 schneller als 60 und 427 schneller als 70 Stundenkilomter. "Laut neuem Bußgeldkatalog sind das 127.785 Euro Bußgelder und 427 Punkte in Flensburg täglich", rechnet Joachim Streckwald vor.
Und Geschwindigkeitsmessungen geben ihm recht. Am vergangenen Wochenende hat der Landkreis Stade 104 Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit im Muddweg geblitzt. Die schnellste Fahrerin sogar mit Tempo 86 in der 50er-Zone. Solche Kontrollen wünschen sich die Anwohner auch weiterhin. Geschwindigkeitsüberschreitungen sollen darüber hinaus sanktioniert werden.
Der Kampf der Bürgerinitiative ist aber nicht beendet. Die Mitglieder machen sich weiter stark, um ihre Wünsche durchzusetzen: Die Autobahn 26 soll in größerem Umfang freigegeben werden als bisher geplant. Bislang ist die Autobahn nur für den Pkw-Verkehr ab Jork freigegeben. Schwerlasttrasporte müssen sich eine andere Auffahrt auf die A26 suchen. Außerdem möchten sie ein Überholverbot im gesamten Ort Mittelnkirchen. Viele Fahrer würden trotz der vielen Kurven im Ort immer wieder überholen, so Streckwaldt. Am Ende wünschen sich die Mitglieder nur eins: "Ein Verkehrskonzept für das Alte Land, damit durchfahrende Schwerlasttransporter dort ganz verschwinden", sagt Streckwaldt. Seiner Meinung nach gehören die nicht in ein zukünftiges Weltkulturerbe.
Außerdem habe sich eine Gemeinschaft gebildet, auf die die Mittelnkirchner nicht mehr verzichten wollen. "Menschen, die sich vorher nicht kannten, sitzen nun zusammen und erzählen sich Geschichten aus ihrem Leben" sagt Streckwaldt. Das sei es allemal Wert, weiter zu machen.