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"Xaver": die Nachwirkungen

bc. Guderhandviertel. Das Sturmtief „Xaver“ wirkt nach. Selbst Tage nach dem Orkan können viele Menschen an der Lühe noch immer nicht durchatmen. Bei Uwe Kröncke und seiner Ehefrau steht das Wasser „Oberkante Unterlippe“ vor ihrem Fachwerkhaus in Guderhandviertel: 50 Zentimeter höher als bei normalem Tidehochwasser. Nur fünf Zentimeter fehlten laut Kröncke vor einigen Tagen, dann hätte sich die Lühe in seinen Garten ergossen. „Dabei wäre das einfach zu verhindern gewesen“, moniert der Ruheständler.

Darum geht‘s: Als „Xaver“ das Wasser mit gewaltiger Wucht in die Elbe drückte, machte der Niedersächsische Wasserbetrieb für Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die Schotten am Lühesperrwerk dicht, um die Grundstücksbesitzer an der Lühe vor der Sturmflut zu schützen. In Krönckes Augen zu spät. Seine Erklärung: „Da nicht damit zu rechnen war, dass sturmbedingt die nächsten zwei Tiden Wasser aus der Lühe abfließen würde, hätte man eine Ebbtide vorher kein Wasser mehr in die Lühe lassen dürfen oder spätestens nach dem ersten Ablaufen der Lühe sofort nach dem niedrigsten Wasserstand der Elbe die Tore schließen müssen“, so der Anlieger.

So aber müsse er ständig hoffen, dass Regen den Pegelstand in der Lühe nicht weiter steigen lässt. „Ich wünsche mir, dass der NLWKN flexibler auf solche Ereignisse reagiert und nicht nur starr nach Vorschrift das Sperrwerk schließt“, so Kröncke.

Was sagt der NLWKN dazu? Sprecherin Herma Heyken weist auf WOCHENBLATT-Anfrage darauf hin, dass es sich beim Lühesperrwerk in erster Linie um ein Sturmflutsperrwerk handelt. „Die Anlieger in Guderhandviertel können wir nicht komplett schützen, weil sie in einem Überschwemmungsgebiet leben. Wir versuchen aber, ihre Interessen mit zu berücksichtigen. Wir kennen die Kritik“, so Heyken.

Den Schuh, er sei zu unflexibel, zieht sich der NLWKN nicht an. Nach der Betriebsordnung müsse das Sperrwerk spätestens geschlossen werden, wenn ein Meter über dem mittleren Tidehochwasser vorhergesagt werde. „Wir berücksichtigen aber auch den sogenannten Oberwasserabfluss. Wenn viel Wasser von oben kommt, schließen wir früher“, sagt Heyken.

Uwe Kröncke dazu: „Mir ist schon bewusst, dass mein Grundstück auch mal überschwemmt wird. Wenn man es aber leicht verhindern kann, sollte man es doch tun.“