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Der Frust wächst

Joachim Streckwaldt (li.) stellte die neue Bürgerinitiative Verkehrsflut während der Veranstaltung vor. Neben ihm sitzt (v. li.) Kreistagesabgeordnete Astrid Bode, Landtagsabgeordneter Helmut Damman-Tamke, Nicola Hahn, Ulrich von Stemm (Feuerwehr Steinkirchen), Thomas Falk (Geschäftsführer des Arbeitsgeberverbandes Stade), Martin Bockler (IHK Stade und Geschäftsführer des Seehafen Stade Verein) und Hollern-Twielenfleths Bürgermeister Timo Gerke.
Altländer können sich nicht auf Politik verlassen / Timo Gerke: "Wir müssen die Munition liefern"

at. Hollern-Twielenfleth. Die Situation im Alten Land ist angespannt: Die Altländer wollen den Lkw-Verkehr vor ihrer Haustür verbannen - und das schnell. Das zeigte sich während einer Infoveranstaltung, die kürzlich im Hollerner Hof stattfand. Hundert Besucher, Mitglieder der Bürgerinitiativen und auch wenige Politiker waren anwesend. Doch viele Altländer verließen die Veranstaltung frustriert und noch vor dem offiziellen Ende.
Fazit des Abends: Auf die Altländer kommt viel Arbeit zu. Wenn sie sich durchsetzten wollen, können sich bei ihrem Wunsch, den Lkw-Verkehr in ihren Orten zu reduzieren, nicht auf die Politik verlassen. Elke Twesten (Die Grünen), die Kreistagesabgeordnete Astrid Bade (SPD) und der Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke (CDU) bekundeten zwar ihr Mitgefühl, aber die Altländer hatten sich mehr erhofft. Eine Besucherin sagte: "Ich will von Ihnen hören, dass Sie sich für uns einsetzen und sich für uns stark machen und nicht nur Mitleidsbekundungen" und ein Mann warf den Anwesenden Politikern vor "Sie reden nur, mehr nicht".
Laut Astrid Bade und Helmut Dammann-Tamke müssen sich die Stadt Hamburg und das Land Niedersachsen über ein gemeinsames Verkehrskonzept einigen. Astrid Bade lebt in Neukloster. Dort haben die Bewohner erfolgreich für eine Tempo-40-Zone im Ort gekämpft. "Wenn sie so etwas auch durchsetzen wollen, müssen Sie viel mehr beißen." Dammann-Tamke stimmte den Besuchern der Veranstaltung zu, dass die Autobahn eine Fehlplanung sei.
Hollern-Twielenfleths Bügermeister Timo Gerke forderte die Anwesenden auf, sich mehr einzubringen. "Wir haben den Landkreis auf unserer Seite. Wir müssen ihnen nur Kugeln für ihre Kanonen geben." Gemeint ist zum Beispiel Risse an den Hauswänden zu fotografieren und die Schäden fortwährend zu dokumentieren. Darin sieht Gerke einen möglichen Grund den Schwerlastverkehr aus dem Alten Land herauszuhalten. Der Bürgermeister sieht aber noch eine weitere Option: "Man hätte uns die Möglichkeit geben müssen, eine Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren der Ortsumgehung Finkenwerder abzugeben", sagte er. Das habe die Stadt Hamburg aber versäumt. Dieser Fehler könne eine Chance sein, um gegen den Verkehr im Alten Land rechtlich vorzugehen.
Für einige Hollern-Twielenflether gehen die von Gerke vorgeschlagenen Maßnahmen nicht weit genug. Sie wollen wie schon in Steinkirchen die Straßen mit ihren Pkw's blockieren. "Wir müssen es den Speditionen madig machen, durch das Alte Land zu fahren", hieß es von Seiten der Bürger und auch aus den Reihen der Bürgerinitiative Hollern-Twielenfltehs.
Die Mitglieder haben sich mittlerweile mit der Bürgerinitiative aus Mittelnkirchen zusammengeschlossen. Jeden zweiten Donnerstag treffen sie sich abwechselnd in einem der Orte. Sie verfolgen das Ziel auch die kürzlich in Jork gegründete Bürgerinitiative (das WOCHENBLATT berichtete) mit ins Boot zu holen. "Wir brauchen aber unbedingt mehr Unterstützung von den Leuten aus den Orten", sagte Sigrid Koops aus Hollern-Twielenfleth. Die werden die Mitglieder bekommen: Viele Besucher der Informationsveranstaltung versprachen zu einem Treffen zu kommen. Einer brachte es auf den Punkt: "Mir reden die Politiker zu sehr um den heißen Brei. Ich werde jetzt immer zu den Treffen der Bürgerinitiative gehen, nur so scheinen wir auch was erreichen zu können."