Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Häuser am Deich unerwünscht?

Am Lühedeich in Mittelnkirchen stehen nicht nur Kirschbäume, sondern auch viele Häuser
lt. Mittelnkirchen. Wenn schon keine Bäume am Deich erwünscht sind, was ist dann erst mit den vielen Häusern, die direkt an der Lühe stehen? Das fragen sich viele verunsicherte Anwohner aus Mittelnkirchen nach der wiederholten Berichterstattung im WOCHENBLATT über die rigorose Baumfällaktion des Deichverbandes der II. Meile Alten Landes.
"Würde mein Haus abbrennen, bekäme ich laut Aussage des Deichverbandes keine neue Baugenehmigung", sagt eine Frau* aus Mittelnkirchen, deren Familie seit vielen Jahren am Lühedeich lebt. Sie fühle sich enteignet und von der Politik allein gelassen.
Ähnlich sieht es auch Dr. Thilo Töllner. Der Arzt aus Mittelnkirchen ist Sprecher einer frisch gegründeten lockeren Interessengemeinschaft einiger Deichbewohner.
"Wir sind gegen die Gleichstellung von Schutz- und Hauptdeichen, wie sie im Niedersächsischen Deichgesetz seit 2004 besteht", sagt Töllner. Es könne nicht sein und sei vollkommen übertrieben, dass der Lühedeich als Schutzdeich mit einem Hauptdeich an der Nordsee gleich gesetzt werde.
Von der Vertretern des Deichverbandes der II. Meile Alten Landes wünsche sich die Interessengemeinschaft, dass diese nicht stumpf nach Vorschrift handelten, sondern die Besonderheiten im Alten Land berücksichtigten und zu Kompromissen bereit seien.
Bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung am Mittwoch, 22. Mai, um 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Mittelnkirchen möchte die Interessengemeinschaft mit Vertretern des Deichverbandes und des Landkreises ins Gespräch kommen. "Wir wollen den Deichverband nicht schädigen, sondern uns für ein ruhiges Leben an der Lühe einsetzen", betont Thilo Töllner.
Übrigens: Über Bauanträge am Deich befindet der Landkreis, erklärt Heiko Köhnlein, Leiter des Umweltamtes. Der Kreis müsse vom Deichverband zwar eine Stellungnahme einholen, könne sich aber über diese Hinwegsetzen.
Generell müsse sich kein Hauseigentümer Sorgen machen, weil die Häuser am Deich Bestandsschutz genießen. Problematisch werde es aber, wenn z.B. neue Versorgungsleitungen verlegt oder neue Auffahrten angelegt werden sollen, so Köhnlein. Hier müsse der Deichverband als Eigentümer zustimmen.
Hintergrund: Seit 2004 sind durch eine Änderung des Niedersächsischen Deichgesetzes Schutzdeiche Hauptdeichen gleichgestellt. Seitdem dürfen "Anlagen jeder Art in einer Entfernung bis zu 50 Metern von der landseitigen Grenze des Deiches nicht errichtet oder wesentlich geändert werden".