Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Polizei-Fehler bei Täter-Vernehmung

bc. Neu Wulmstorf/Stade. Mega-Rüffel für die Polizei: Weil die ermittelnden Beamten Ahmed T. (19), angeklagt wegen Totschlags, nicht ausreichend über seine Rechte belehrt haben, dürfen seine Aussagen aus der Tatnacht gerichtlich nicht verwendet werden. Alle Angaben des Beschuldigten seien als Beweismittel nicht zulässig, entschied die 2. Große Jugendstrafkammer am Landgericht Stade. "Die Polizei hätte den Angeklagten aufklären müssen, dass er das Recht zu schweigen und auf rechtsanwaltliche Hilfe hat", sagt Gerichtssprecherin Petra Baars.

Wie berichtet, soll Ahmed T. laut Anklage der Staatsanwaltschaft seine elfjährige Schwester im März dieses Jahres getötet haben. Das Mädchen wurde gegen 3 Uhr morgens tot in einem Müllsack im Gartenhaus auf dem elterlichen Grundstück in Neu Wulmstorf gefunden.

Ahmed T. schweigt, ebenso seine Familie. Hinzu kommt jetzt, dass offenbar die Aussagen aus der Vernehmung wertlos sind.

Die Verteidigung hatte stets moniert, dass das Verhör vom Ahmed T. in der Tatnacht nicht nur einer Zeugenbefragung diente. Stattdessen hätten ihn die Beamten schon als einen möglichen Täter ins Visier genommen.

Das WOCHENBLATT fragte bei einem ausgewiesenen Experten für Strafrecht nach. Seine Meinung: "Wenn die Polizisten ihn richtig belehrt hätten, wären die Aussagen wasserdicht." Ein vernünftiger Polizist habe seine Belehrungskarte immer dabei und lese davon ab.

Fakt ist, dass es immer schwerer wird, in diesem Indizienprozess zu einem Urteil zu kommen. Jetzt müssen weitere Zeugen gefunden werden, die Angaben zu den Geschehnissen vor der Tat machen können.