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A26-Baustart in Rübke: "Die Gefahr wird konkret"

Tanja Heep ist gespannt, wie viel Lärm später auf ihrem Grundstück ankommt
bc. Rübke. Das Vogelgezwitscher wird jäh unterbrochen vom Klappern der Kipplaster. Mehr als ein Jahrhundert hat Tanja Heeps Familie hier auf ihrer Scholle in Rübke im Einklang mit der Natur gelebt. Idylle pur. Das Anrücken der Bagger und Baufahrzeuge bedeutet jetzt einen herben Einschnitt.

Nur gut 150 Meter entfernt von ihrem Reetdachhäuschen legen die Arbeiter eine Baustraße an. Exakt dort, wo in sechs Jahren täglich geschätzte 60.000 Autos und Lkw auf der A26 vorbeirauschen werden. "Die Gefahr wird konkret", sagt die 40-jährige Anwohnerin.

Es ist nicht so, dass die Autobahn überraschend kommt. Die ersten Planungen gab es bereits, da hatte Tanja Heep noch nicht das Licht der Welt erblickt. Nur sollte die Trasse damals weit entfernt von der Bebauung gen Hamburg laufen. Erst auf gerichtliche Weisung ist die Streckenführung mitten im EU-Vogelschutzgebiet dichter an den 600 Einwohner großen Ort herangerückt. Zum Schutz der seltenen Vogelart Wachtelkönig. Seitdem haben viele Menschen in dem Dorf das Gefühl: Vögel werden geschützt, die Menschen in Rübke nicht.

Zumindest eine Lärmschutzwand trennt die Bewohner später von der Schnellstraße. "Man hat uns gesagt, dass der Schall über unsere Häuser hinwegzieht. Ich bin gespannt", sagt Tanja Heeps Mutter Helga Drinkhahn. Die ältere Dame hat den Bau der A26 akzeptiert. Verhindern kann sie ihn ohnehin nicht. Aber manchmal stellt sie sich die Frage: "Hätte man die Autobahn nicht weiter weg bauen können? Platz ist doch da."

In Zeiten der Veränderung erinnert sich Tanja Heep gerne daran zurück, wie es früher war, als ihr Opa hier auf der Weide das Heu einbrachte. Der Duft der Ernte liegt ihr noch heute in der Nase. Später ging sie hier mit ihrem Hund Shyla Gassi. Noch vor Kurzem ästen die Rehe vor ihrem Fenster. "Die wissen jetzt gar nicht mehr, wo sie hinsollen", erzählt Tanja Heep. Das Land ihres Opas ist größtenteils verkauft. Die A26 durchschneidet die Weide. Alles ändert sich.

Der 3. Bauabschnitt der A26 ist 4,1 Kilometer lang und führt von Buxtehude bis Rübke (Gemeinde Neu Wulmstorf). Zum Projekt gehören vier Überführungen und sechs Unterführungen, außerdem müssen zwei Hochspannungsleitungen verlegt werden. Die A26 soll u.a. den strukturschwachen Unterelberaum besser erschließen.

Das ist auch das einzig Positive, was Tanja Heep dem Projekt abgewinnen kann: "Zumindest bin ich dann schneller auf der A7 in Hamburg."

• Unterdessen hat der Bau der A26-Fahrbahn von Horneburg nach Jork begonnen. Derzeit wird eine Schotterschicht aufgetragen. Im Mai starten die Straßenbauer mit der Asphaltierung des fünf Kilometer langen Abschnitts. Ende des Jahres sollen hier die ersten Pkw rollen - allerdings nur in Richtung Horneburg.