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"Auf vielen Ebenen engagiert"

Dörthe Neumann mit ihrem Hund Spencer
 

Sommerserie: Das WOCHENBLATT im Gespräch mit der Kreislandfrauen-Vorsitzenden Dörthe Neumann

(ab). Bei allem, was sie macht, gibt sie hundert Prozent: Seit drei Jahren setzt sich Dörthe Neumann (50) als Kreislandfrauen-Vorsitzende in ihrem Amt mit Leib und Seele ein. Zwei Dinge liegen ihr besonders am Herzen: ein umfangreiches Bildungsangebot zu schaffen und den Imagewandel der ausschließlich kochenden zur bildungs-, gesundheits- und sozialpolitisch engagierten Landfrau voranzutreiben.
WOCHENBLATT: Frau Neumann, wie lange sind Sie inzwischen bei den Landfrauen aktiv?
Neumann: Das kann ich gar nicht genau sagen. Als ich bei den Stader Landfrauen eingetreten bin, war ich das 500. Mitglied, jetzt sind es über 1.000. Allerdings bin ich damit auch groß geworden. Meine Oma war Gründungsvorsitzende des Stader Landfrauenvereins und meine Mutter viele Jahre Ortsvertrauensfrau. Für mich war klar, dass ich eines Tages selbst Mitglied werde.
WOCHENBLATT: Jetzt sind Sie Kreislandfrauen-Vorsitzende der 10 Ortsvereine, das heißt, die "erste Frau" von 6.000 Mitgliedern ...
Neumann (lacht): Allein geht so etwas gar nicht, es gibt ja auch einen Vorstand. Und Ortsvereine, die die allgemeinen Programm machen.
WOCHENBLATT: Worin sehen Sie Ihre Kernaufgabe?
Neumann: Wir verstehen uns als Frauen vom Lande, die vor allem Bildungsangebote in den Fokus rücken möchten. Dazu gehören beispielsweise AGs, Vorträge und auch Reisen.
WOCHENBLATT: Wie viele Stunden in der Woche setzen Sie sich für diese Tätigkeit ein?
Neumann: Die Stunden zähle ich nicht. Im letzten Jahr waren es bei mir rund 130 Einsätze. Dazu zählen Vorstandstreffen, die Teilnahme an Wirtschaftsgremien und vor allem Projekte wie die Offenen Gärten oder die Ausbildung zur Seniorenbegleiterin, die wir gemeinsam mit der LEB, der Ländlichen Erwachsenenbildung Niedersachsen anbieten.
WOCHENBLATT: Was kann man sich darunter vorstellen?
Neumann: Seniorenbegleiter beschäftigen sich mit älteren Menschen, die in ihrer Alterskompetenz erheblich eingeschränkt sind. Sie werden von den Seniorenbegleitern unterstützt. Die Landfrauen haben eine Zertifizierung dieser Ausbildung mit auf den Weg gebracht. Wer sie absolviert hat, kann damit sogar in einem Altenheim angestellt werden.
WOCHENBLATT: Werben Sie um neue Mitglieder?
Neumann: Ja, wir sind beispielsweise auf landwirtschaftlichen Messen vertreten. Neue Mitglieder jeder Altersklasse sind willkommen, allerdings möchten wir besonders gern jüngere Frauen für uns gewinnen. Auch über Reisen können wir Menschen für uns interessieren. Für Februar 2016 planen wir gerade ein Skifreizeit, für die man sich schon jetzt unter www.kreislandfrauen-stade.de anmelden kann.
WOCHENBLATT: Kämpfen Sie noch sehr gegen das Image der Landfrauen, die hauptsächlich Kochrezepte austauschen und sich zum gemeinsamen Stricken treffen?
Neumann: Hin und wieder schon. Wir versuchen auf unterschiedlichen Ebenen unser Image zu ändern und zu verdeutlichen, in welchen Bereichen wir überall aktiv sind. Wir haben eine Internetpräsens, befassen uns mit aktuellen Themen, organisieren Vorträge, z.B. über erneuerbare Energien, und wir möchten, dass die Frauenquote steigt. Außerdem plädieren wir dafür, das Fach "Lebens- und Alltagsökonomie" in der Schule einzuführen. Bildungsministerin Johanna Wanka hat sich schon sehr positiv zu dieser Idee geäußert.
WOCHENBLATT: Was genau muss man sich unter diesem Fach vorstellen?
Neumann: Viele junge Menschen stehen plötzlich auf eigenen Füßen und müssen in Ausbildung oder Studium mit wenig Geld auskommen. Die meisten wissen gar nicht, wie sie das Leben meistern, hauswirtschaften und sich gesund ernähren sollen. Wir wollen auch bewirken, dass der eigentliche Wert von Lebensmitteln wieder erkannt wird und nicht immer gleich alles weggeschmissen werden muss. Darum soll es u.a. in diesem Fach gehen.
WOCHENBLATT: Welches Projekt beschäftigt Sie derzeit besonders?
Neumann: Neben dem Projekt "Kochen mit Kindern" gibt es noch ein weiteres: In Stade hat der Kreislandfrauen-Verband gemeinsam mit der Berufsbildenden Schule BBS III und dem Verein ZinKKo den "Internationalen Garten" ins Leben gerufen. Auf einem Grundstück hinter der BBS bekommen Frauen aus aller Welt einzeln oder zu zweien eine Gartenparzelle von je drei mal drei Metern. Es wird gemeinsam gegärtnert, sich ausgetauscht und aufeinander zugegangen.
WOCHENBLATT: Wird es gut angenommen?
Neumann: Sehr gut sogar. Alle Parzellen sind belegt. Jetzt konnten wir durch Sponsorenhilfe sogar ein kleines Gartenhaus bauen. Das wird am 9. September eingeweiht.
WOCHENBLATT: Frau Neumann, vielen Dank für das Gespräch.