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Der "Giftstreit" von Neu Wulmstorf

Michael Krause kritisiert den Einsatz von Gift in Neu Wulmstrof durch den Baubetriebshof (Foto: privat)

sc. Neu Wulmstorf. "Der Bauhof muss mit gutem Beispiel vorangehen!", fordert Michael Krause, Ortsverbandssprecher der Grünen. Er kritisiert den Einsatz von Spritzmitteln in Neu Wulmstorf. Der Baubetriebshof der Gemeinde nutzt Gift gegen den Wildbewuchs von Bärenklau in der Nähe des Regenrückhaltebeckens in Rade.

Die Bürger dürften nicht spritzen, doch das kommunale Unternehmen setze auf die Verwendung von Gift gegen Unkraut, das dürfe nicht sein. Zudem verstoße der Bauhof durch die Verwendung des Herbizides Garlon 4 gegen geltendes Recht. Das eingesetzte Spritzmittel zur Unkrautvernichtung dürfe nur mit Genehmigung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angewendet werden.

Krause wirft dem Betriebshof vor, nicht nur gegen das Pflanzenschutzgesetz und EU-Richtlinien zu verstoßen - auch "die ökologischen Grundsätze werden außer Acht gelassen". Krause argumentiert weiter, dass es für die Bekämpfung von Bärenklau funktionierende, giftfreie Alternativen, wie die Beweidung durch Ziegen oder das Herausreißen der Pflanzen per Hand, gebe, die jedoch nicht genutzt würden. Zur Entfernung müssten die Arbeiter lediglich entsprechende Schutzkleidung tragen, ebenso wie bei der Arbeit mit Chemiekalien, so Krause weiter.

"Ich kann nicht von einem Verstoß sprechen - im Gegenteil", entgegnet Jörg Schröder, Kämmerer der Gemeinde in Neu Wulmstorf. Der Betriebshof habe eine Sondergenehmigung von der Landwirtschaftskammer erhalten. Die Genehmigung beschränke den Einsatz von Garlon 4 auf den angegebenen Flächen auf einen Meter Abstand zum Regenrückhaltebecken. Vereinzelte Pflanzen seien in der Vergangenheit schon ausgegraben wurden, sagt Schröder. Doch wegen der großen Anzahl an Bärenklau, sei das Herausreißen per Hand problematisch.

Eine erneute Prüfung zur Genehmigung sei bereits wegen einer Anfrage der Grünen durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erfolgt. Bürgermeister Wolf-Egbert Rosenzweig hatte bereits während einer Ratssitzung im November erklärt: Es sei nichts zu beanstanden. "Der Betriebshof hat im Rahmen der Richtlinien und Gesetze gehandelt", so Schröder.
Die Grünen wollen trotzdem nicht lockerlassen und weiter gegen den Gifteinsatz protestieren.

• Bärenklau ist eine phototoxische Pflanze. Kommt sie mit Tageslicht in Verbindung, erzeugt sie Gift. Verbrennungsverletzungen dritten Grades treten beim Menschen durch Berührung auf. Die Stauden werden bis zu drei Meter hoch. Das Frühjahr ist die beste Zeit für das Entfernen der Pflanze.

• Garlon 4 ist ein Herbizid zur Bekämpfung von Unkraut. Es enthält den Wirkstoff Triclopyr. Besonders gut wirkt es gegen Bärenklau und Brennesseln. Es ist nicht für den privaten Gebrauch zugelassen. Zur Anwendung ist eine Genehmigung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erforderlich.