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"famila": Risiko oder Chance?

An der B73 in Neu Wulmstorf plant "famila" ein großes Warenhaus
 
Heiner Schönecke
bc. Neu Wulmstorf. "famila" an der B73 in Neu Wulmstorf - sinnvolle Ergänzung des Warenangebots im Ort oder existenzielle Bedrohung für die Einzelhändler an der Bahnhofstraße? Die Kieler SB-Warenhauskette plant eine Ansiedlung auf dem brachliegenden Gelände der "Möbel Meyn"-Häuser. Die Politik zeigt sich nicht abgeneigt (das WOCHENBLATT berichtete). Jetzt hat sich Neu Wulmstorfs politisches Schwergewicht Heiner Schönecke (67) in einem Brief an Bürgermeister Wolf Rosenzweig (SPD) zu Wort gemeldet. Der Mann aus Elstorf, jahrzehntelanges Gemeinderatsmitglied, jetzt CDU-Landtagsabgeordneter und Vize-Landrat, sieht eine Ansiedlung kritisch: "Entweder der Rat macht eine Gesamtplanung für den Ort oder man verfolgt in Zukunft Einzelinteressen."

Schönecke ist enttäuscht von der indifferenten Haltung Rosenzweigs. Er verstecke sich hinter dem von ihm angeschobenen Zukunftskonzept "Neu Wulmstorf 2025, in dem Bürger in Diskussionsforen an der Entwicklung des Ortes mitgestalten können. "Herr Rosenzweig ist seit fast acht Jahren Bürgermeister. Ich würde es sehr begrüßen, wenn er in Sachen 'famila' klar Position beziehen würde", so Schönecke.

Ansiedlungswünsche großer Kaufhausketten an der B73 sind in Neu Wulmstorf nicht neu. Vor Jahren wollte z.B. "Marktkauf" dort ein großes Warenhaus eröffnen. Die Politik lehnte ab. Schönecke: "Über Jahrzehnte war man sich fraktionsübergreifend im Rat einig, dass genau an dieser Stelle eben nur Möbelgeschäfte und Baumärkte angesiedelt werden sollen." Die Gründe lägen in der Geschichte Neu Wulmstorfs. Seit 1975 hätten die Verantwortlichen in Rat und Verwaltung die Planungen Neu Wulmstorfs so gestaltet, dass die Bahnhofstraße das neue Zentrum der Gemeinde werden sollte. "Der Bürgermeister lässt jetzt zu, dass durch den Ansiedlungswunsch einer Kette genau dieser Ansatz verwässert wird. Will Neu Wulmstorf etwa eine 30-jährige Planung über den Haufen werfen?", fragt Schönecke.

Rosenzweig unterscheidet zwischen dem Konzept "Neu Wulmstorf 2025" und dem Ansiedlungswunsch eines Kaufhauses. Eine seiner Überlegungen: Holt sich die Gemeinde "famila" ins Boot oder gibt man die Fäden aus der Hand? Die Gemeinde hätte nichts gewonnen, wenn sich ein großer Vollsortimenter am Ortsrand in Hamburg statt in Neu Wulmstorf ansiedeln würde, so Rosenzweig mit Blick auf die ungewisse Entwicklung auf dem benachbarten Gelände der früheren Röttiger-Kaserne. "In Neu Wulmstorf hätte die Politik zumindest Mitspracherecht bei der Beschränkung des Warensortiments."

Wilfried Warncke, Inhaber des "Edeka-Marktes" nahe des S-Bahnhofes, kann keine positiven Synergieeffekte ausmachen, falls "famila" den Zuschlag in Neu Wulmstorf erhalte: " 'famila' hätte eine Filterfunktion an dem Standort. Kaufkraft würde aus der Bahnhofstraße abgezogen." Zudem hätten die bisherigen Ergebnisse von "Neu Wulmstorf 2025" klar ergeben, dass Neu Wulmstorf in Sachen Lebensmittelhändlern überversorgt sei, so Warncke. Die Bürger wünschten sich stattdessen mehr Vielfalt in der Bahnhofstraße.

Was sich die Bürger wirklich wünschen, können sie am Freitag, 1. November, im Seniorencafé "Pro Vita" in Neu Wulmstorf (Marktplatz 24) äußern. Die SPD lädt um 19.30 Uhr zum Gespräch ein. Mit dabei: der Gewerbeverein Neu Wulmstorf und Bürgermeister Rosenzweig.