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Gene verantwortlich für Single-Dasein?

Wenn beide das gleiche Hobby teilen, ist das schon eine gute Voraussetzung für eine längerfristige Partnerschaft (Foto: djd/Testogel/thx)
 
Sie beraten Paare in Konfliktsituationen: Dr. Hans-Dietrich Schmidt und seine Frau Sabine

Neue Studie: Gen-Bausteine beeinflussen das Liebesleben / Wie Alleinlebende trotzdem den richtigen Partner finden


"Dieses Jahr klappt es ganz bestimmt!" - Kerstin H. aus Buxtehude ist sich sicher, dass sie in 2015 die Liebe ihres Lebens kennenlernt. Schließlich hat die Bürokauffrau alles Erdenkliche dafür getan, um bei der Suche erfolgreich zu sein: sich im Internet bei verschiedenen Partnerbörsen angemeldet, eine Dating-App heruntergeladen - und mithilfe einer Astrologin die Sterne zu Rate gezogen. "Und die Sterne lügen nie", ist sich die hübsche 35-Jährige sicher.

Wie Kerstin sind Zigtausende Singles auf der Suche nach einem neuen Partner. Doch wenn man den Erkenntnissen einer neuen Studie der Peking Universität Glauben schenken darf - vergebens. Ob ein Mensch dauerhaft in einer Paarbeziehung lebt oder sein Leben überwiegend als Single verbringt, entscheidet angeblich das Gen "5-HT1A" (siehe unten).

Das WOCHENBLATT sprach mit Dr. Hans-Dietrich Schmidt (74), Paartherapeut aus Neu Wulmstorf, über das für alle Singles niederschmetternde Studien-Ergebnis. Sein Fazit vorweg: "Andere Faktoren spielen eine entscheidendere Rolle als diese an den Haaren herbeigezogene Studie."
WOCHENBLATT:
Welche Gründe gibt es also dafür, dass Menschen alleine sind?
Dr. Schmidt: "Viele Menschen, überwiegend ältere Frauen, leben alleine, weil der Partner bereits verstorben ist. Männer sterben häufig früher. Doch auch eine tiefsitzende Bindungsangst, die ihren Ursprung in der Angst vor dem Verlassen werden hat, ist oft Ursache für das Leben allein.

WOCHENBLATT: Und wie gelingt es, einen passenden Partner zu finden?
Dr. Schmidt: "Das Internet ist die zurzeit meistgenutzte Kontaktbörse. Innerhalb von Sekunden wird entschieden, ob das Gegenüber passt oder nicht. Wie lange die Beziehung hält, gilt es dann herauszufinden."

WOCHENBLATT: Was macht eine erfüllte Partnerschaft aus?
Dr. Schmidt: "Respekt voreinander ist sehr wichtig. Großzügigkeit ebenfalls, z.B. die Fehler des anderen hinzunehmen. Ebenso eine konstruktive Kommunikation, da.h. miteinander reden, nicht immer nur rechthaben und nörgeln. Dadurch kann keine Nähe erzeugt werden. Dabei ist das häufig die Absicht von Dauernörglern."

WOCHENBLATT: Und welchen Stellenwert hat der Sex?
Dr. Schmidt: "Guter gemeinsamer Sex ist wichtig, aber gerade für lang anhaltende Partnerschaften nicht mehr ausschlaggebend. Was wir sexuell begehren, ist oft ein weites Feld. Da haben Partner oft nur eine kleine gemeinsame Schnittmenge. Und wer sich nicht traut, seine geheimsten Wünsche zu offenbaren, ist in langfristigen Beziehungen meist dennoch zufrieden mit dem, was er hat. Beim Sex müssen nicht immer alle Wünsche erfüllt werden."

• Dr. Hans-Dietrich Schmidt berät gemeinsam mit Frau Sabine (52) in seiner Neu Wulmstorfer Praxis Paare, die unter Kommunikationsproblemen leiden und sie lösen wollen www.paarberatung-mit-herz.de.


Studie zum Gen "5-HT1A"
In der Studie, die in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" erschien, konzentrierten sich die Wissenschaftler um Xiaolin Zhou von der Peking University auf Variationen in einem Gen namens 5-HT1A, das einen direkten Einfluss darauf hat, wie viel vom Glückshormon Serotonin im Körper produziert wird. Die Forscher unterschieden zwei Varianten des Gens: die C- und eine G-Version.

Letztere hemmt die Produktion von Serotonin. Wer diese Version trug, war auch seltener in einer Beziehung – nur 39 Prozent der Träger hatten aktuell einen Partner. Die C-Version hingegen fördert die Produktion des Hormons. Tatsächlich waren 50 Prozent der Befragten mit der C-Version in einer Beziehung, ein statistisch bedeutsamer Unterschied zu jenen mit der G-Version.