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"Grüne Hölle" plattgemacht

Ein Biotop zwischen Bahnlinie und Kleingarten-Siedlung wurde plattgemacht
bc. Neu Wulmstorf. Tabula rasa im Neu Wulmstorfer Gewerbegebiet nördlich der Bahnlinie: Die berühmte „grüne Hölle“ ist (fast) weg. Büsche, Sträucher, ein Biotop wurde innerhalb weniger Stunden plattgemacht. Flora und Fauna, fast alles tot. Selbst der seltene Wachtelkönig soll in der grünen Oase schon gesehen worden sein. „Warum wurde das jetzt gemacht?“, fragt Klaus Kramer. Er besitzt einen Kleingarten in direkter Nachbarschaft und ist entsetzt: „Das Biotop war Heimat für viele Tiere.“

Was steckt dahinter? Verantwortlich für die radikale Maßnahme soll die „LEG Entwicklung“ sein, die als Eigentümer der Flächen federführend den Neu Wulmstorfer Norden entwickelt. Wie berichtet, wies die Gemeinde dort 2006 ein Gewerbemischgebiet aus, inklusive der Kleingärten von Kramer und sechs weiteren Grünanlagen-Besitzern. Die Eigentümer-Gemeinschaft der Kleingärtner weigert sich seitdem, ihre Grünanlagen zu verlassen. Hinter den Kulissen tobt deswegen seit Jahren ein Rechtsstreit.

Obwohl das Verwaltungsgericht Lüneburg im Juli 2013 urteilte, dass die Kleingärtner ihre Grünanlagen aufgeben müssen, lassen die Parzellen-Besitzer nicht locker. Sie wollen in Berufung gehen. Interessant: In der Begründung des Berufungsantrags führt der Rechtsanwalt der Eigentümer-Gemeinschaft an, dass schützenswerte Biotope nach geltenden europäischen Naturschutzrichtlinien nicht ohne Ausgleichsmaßnahmen beseitigt werden dürfen. Das heißt: Für die „LEG“ könnte es teuer werden, wenn sie dort Biotope plattmacht.

Das Schreiben des Anwalts datiert vom 16. September. Nur eine Woche später am 23. September rückte der Trecker der „LEG“ an und machte besagte Tabula rasa. Kramer: „Sechs Jahre ist hier nichts passiert. Warum ausgerechnet jetzt? Ich habe den Verdacht, dass das Biotop verschwinden musste, um Beweise zu vernichten.“ Die „LEG“ habe kein Interesse, teure Ausgleichsmaßnahmen zu finanzieren.

Von der „LEG“ war bis Redaktionsschluss kein Statement zu bekommen. Bei der Gemeinde Neu Wulmstorf geht man davon aus, dass es sich um eine „normale Maßnahme zur Grundstücksunterhaltung“ handelt.

Bürgermeister Wolf Rosenzweig (SPD) versucht seit Jahren, die Kleingärtner umzusiedeln, damit nördlich der Bahn weitere Gewerbeimmobilien gebaut werden können. Bislang ohne Erfolg. Die Flächen sollen Logistik-Immobilienentwickler „Prologis“ versprochen worden sein. „Prologis“ hat in dem Gewerbegebiet bereits Hallen für seinen Mieter „Jack Wolfskin“ errichtet. Auf WOCHENBLATT-Anfrage dementiert eine „Prologis“-Sprecherin allerdings weitere Ansiedlungspläne in Neu Wulmstorf: „Wir planen aktuell nichts in Neu Wulmstorf.“ Umso erstaunlicher, warum gerade jetzt der „LEG“-Trecker anrückte.