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Happy End nach Bus-Irrfahrt

Michel (10) steht an "seiner" Haltestelle in Schwierstorf.
Schüler kommt nur mit Hilfe der Mitreisenden nach Hause. Seine Mutter schließt ihn nacheinstündiger Suche in die Arme.

at. Neu Wulmstorf. Michel (10) steigt nur noch mit einem mulmigen Gefühl in den Bus. Der Schüler wollte kürzlich von Neu Wulmstorf nach Hause ins rund zehn Kilometer entfernte Schwiederstorf fahren - doch da kam er nicht an. Der Grund: Der Fahrer habe ihn nicht aussteigen lassen, sagt Michel. Er hatte vergessen, auf den Stopp-Knopf zu drücken. „Als ich das gemerkt habe, hab ich es noch schnell versucht“, sagt der Schüler. Das nützte aber nichts, der Bus fuhr weiter. Das Ende der Geschichte: Seine Mutter holte ihn aus dem 25 Kilometer entfernten Höckel ab.
Der Junge suchte Hilfe beim Busfahrer: „Ich habe gefragt, ob er zurück fährt oder eben kurz rechts anhalten könnte“, sagt er. Der Fahrer soll beides verneint haben. Die Telefonnummer von Zuhause wusste er nicht und er vergaß in seiner Panik auch das Preepaid-Handy in seiner Tasche. Damit kann er zwar angerufen werden, aber nicht raustelefonieren. Und weil der Junge aus dem Hort kam, war es auf lautlos. Aus Verzweiflung kamen Michel die Tränen. „Ich hatte Angst nicht mehr nach Hause zu kommen.“
Hilfe bekam er schließlich von Mitreisenden. Der Schüler erinnert sich: „Sie unterhielten sich, was zu tun sei.“ Zwei seien sogar zum Busfahrer gegangen und hätten darum gebeten, anzuhalten. Ein junger Buspassagier nahm Michel schließlich mit zu sich nach Hause in Höckel. Dort fragte der junge Mann Michel nach einem Handy und schließlich machten sie seine Mutter über das Gerät ausfindig. Die machte sich nachdem sie über eine Stunde nach Michel gesucht hatte auf den Weg nach Höckel und schloss ihren Sohn in die Arme. „Eigentlich ist es absolut Tabu, mit Fremden mitzugehen. Und trotz des Happy Ends soll es dabei bleiben“, sagt die Mutter.
Sie beschwerte sich am nächsten Tag bei der KVG, den zuständigen Verkehrsbetrieben. Die Mitarbeiter weisen aber alle Vorwürfe zurück: Der Busfahrer sagt, er habe gemeinsam mit den Passagieren beraten, was mit dem Jungen passieren soll. Alle Beteiligten hätten entschieden, dass er mit dem jungen Mann nach Hause gehen solle. „Unterwegs anzuhalten sei zu gefährlich gewesen“, urteilt Betriebsleiter Norbert Bartels.
Was für den Jungen besonders ärgerlich war: Am nächsten Tag stand eine Arbeit in der Schule an. Lernen konnte er nach dem Schrecken nicht.