Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Kita-Gebühren: Neidischer Blick nach Hamburg

Nathalie Volkert ist zweifache Mutter: Sie blickt neidisch auf die kostenlose Kinderbetreuung in Hamburg (Foto: oh)
bc. Neu Wulmstorf. Manchmal ist die Welt ungerecht. So empfindet es derzeit Nathalie Volkert. Die Mutter zweier Kinder ist mit ihrer Familie vor einiger Zeit aus Hamburg nach Neu Wulmstorf gezogen. Hier bezahlt sie 450 Euro für einen Ganztagsplatz in der Kindertagesstätte (Höchstsatz inklusive Mittagessen). In Hamburg müsste sie wesentlich weniger auf den Tisch legen.

Ab August gilt in der Hansestadt für eine fünfstündige Grundbetreuung Beitragsfreiheit. "Ich muss gestehen, dass wir in den letzten Tagen neidisch nach Hamburg geblickt haben", sagt die Frau, die nur fünf Minuten von der Landesgrenze - sprich der Beitragsfreiheit - entfernt wohnt. Vielen Eltern im Hamburger Randgebiet geht es genauso, z.B. denen in Jork, einer Gemeinde, die gerade ihre Gebührensätze erhöht hat.

Es geht Nathalie Volkert nicht darum, Neu Wulmstorf für hohe Elternbeiträge zu kritisieren. Es geht ihr vielmehr darum, auf diese soziale Ungerechtigkeit im föderalistischen Deutschland hinzuweisen. Es sei toll zu sehen, dass die Betreuung in Neu Wulmstorf stetig ausgebaut werde. Trotzdem liegen die beiden von SPD-Bürgermeistern regierten Kommunen Neu Wulmstorf und Hamburg in sozialen Fragen für Familien weit auseinander.

"Wir werden für die Betreuung unserer Tochter hier im Ort in den nächsten fünf Jahren ca. 20.000 Euro an Gebühren bezahlen. Ein drittes Kind können wir uns gar nicht leisten. Die Gebühren würden 65 Prozent meiner Netto-Einkünfte auffressen", sagt Nathalie Volkert. Ein Schelm, wer da nicht überlegen würde, seinen Erst-Wohnsitz fiktiv nach Hamburg zu den Großeltern zu verlegen und zehn Minuten zur Kita nach Fischbek zu fahren. "Für uns steht das nicht zur Debatte. Es wäre aber fair, wenn sich die Gemeinde mit diesem Thema auseinandersetzen könnte, um ein bisschen mehr Gerechtigkeit zu schaffen", so Nathalie Volkert.

Derzeit müsse sie durch Mehrarbeit die Kita-Gebühr erwirtschaften. "Wenn ich keine Kita-Gebühren bezahlen müsste, würde ich einen Tag weniger arbeiten, um mehr Zeit für die Kinder zu haben", sagt die Mutter. Übrigens: Im niedersächsischen Salzgitter gilt z.B. schon seit mehreren Jahren ein kostenloser Zugang zur Kita.