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Kritik an Kahlschlag in der Schonzeit

Hunderte Bäume - vor allem Kiefern - werden derzeit mitten im Wald in der Wulmstorfer Heide gefällt
bc. Neu Wulmstorf. Motorsägen kreischen. Bäume fallen. Und das mitten in der Schonzeit, in der jeder Gartenbesitzer die Axt im Schuppen lassen muss, um die Fauna zu schützen. In der Wulmstorfer Heide lässt die Naturschutzstiftung Landkreis Harburg trotzdem Hunderte Bäume - vor allem Kiefern - fällen. Mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Warum dürfen die das?, fragen sich nicht nur viele Bürger aus Neu Wulmstorf, die das Treiben im Wald in den vergangenen Tagen beobachtet haben.

Wie berichtet, ist die Idylle in der 171 Hektar großen Wulmstorfer Heide seit längerem getrübt. Spaziergängern und Joggern fiel schon vor Wochen ein bedeutender Kahlschlag auf. Damals sagte Rainer Böttcher, Vorsitzender der Naturschutzstiftung, dass der dichte Waldbestand lediglich im Übergangsbereich zu den offenen Heide- und Magerrasenflächen ausgelichtet werde. Die jetzigen Maßnahmen finden jedoch weit entfernt vom Waldrand statt. Mit schwerem Gerät rückten die Arbeiter an. Trotzdem okay?

Böttcher räumt ein, dass auch er sich die Frage gestellt habe, ob Baumfällungen in der Schonzeit zu verantworten seien. Doch nach einer "intensiven Prüfung" sei man zu dem Schluss gekommen, dass in dem Bereich derzeit keine geschützten Vogelart brüte. Zudem seien dort Buchen und Eichen "natürlich aufgekommen", die für ihr Wachstum viel Licht bräuchten. Langfristiges Ziel sei es, den Nadelholzbestand sukzessive in einen Laubwald umzuwandeln, um das Gebiet ökologisch aufzuwerten, so Böttcher.

Aber hätten die Fällungen nicht bis zum Ende der Schonzeit im September warten können? "Theoretisch hätten sie das, aber dann wären wiederum andere Prozesse verzögert worden, die der Lebensraumgestaltung beispielsweise für Amphibien dienen", erklärt Böttcher.

Er bedauert, mit den Fällaktionen für Irritation gesorgt zu haben und verspricht: "Künftig wollen wir die Bevölkerung noch stärker informieren." Die Baumfällungen seien spätestens in der kommenden Woche beendet.