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"LeA": Bewerber stehen Schlange

"LeA"-Geschäftsführer Heiner Albers führt die Laurens-Spethmann-Häuser seit der Eröffnung 2010. Im neuen Jahr übergibt er seinen Posten an Sabine Drevin
 
Katharina (25) wohnt seit mehr als drei Jahren bei "LeA". Hier arbeitet sie auch mit ihrer Betreuerin Sandra Fuchs
bc. Neu Wulmstorf. Es fühlt sich an wie ein Mix aus Erde und Knete: Deltasand. Katharina (25) greift fest in die wächserne Masse, die vor ihr auf einem Tablett ausgeschüttet ist, lässt den Klumpen wieder fallen. Sandra Fuchs streicht Katharina mit dem Sand über die Hand. "Das Arbeiten mit Deltasand ist eine tolle Form der Therapie", sagt die Betreuerin, die neben Katharinas Rollstuhl steht.

Ein Stockwerk tiefer werden Lars und Dilara auf eine poesievolle Traumreise entführt. Sie graben sich ein in dicke Kuscheldecken. Antonia setzt sich dazu. Die junge Frau macht eine Ausbildung zur Heilerzieherin, liest den beiden eine Geschichte vor. Alltag in den Laurens-Spethmann-Häusern der Integrativen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft (LeA) in Neu Wulmstorf. Das WOCHENBLATT ist zu Gast.

Katharina, Lars und Dilara sind auf ständige Betreuung angewiesen. Sie sind schwerstbehindert und sollen doch so eigenständig wie möglich leben. In einer eigenen Wohnung, mit geregelten "Arbeitszeiten". Dafür ist "LeA" da - die einzige Einrichtung weit und breit, die auch Schwerstbehinderte in ihr Wohnkonzept integriert.

Hier in Neu Wulmstorf am Rande des Naturschutzgebiets wohnen 27 Menschen im Alter zwischen 20 und Mitte 40 mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Die meisten gehen morgens in Behindertenwerkstätten einer Arbeit nach. Katharina, Lars und Dilara und fünf weitere Mitbewohner können das nicht. Sie werden in Tagesgruppen im Haus betreut. Das soll sich ändern.

"Unter dem Gesichtspunkt des Normalisierungsprinzips wollen wir Leben und Arbeiten voneinander trennen. Menschen mit Behinderungen sollen das Gefühl bekommen, am Arbeitsleben teilzuhaben", sagt "LeA"-Geschäftsführer Heiner Albers. Geplant ist der Bau eines neuen Hauses in unmittelbarer Nachbarschaft mit neuen Wohnungen und einer Tagesförderung für Schwerstbehinderte. Ein Millionenprojekt. "Der Bedarf ist riesig", sagt Albers. 15 Menschen mit Handicap, die meisten davon schwerstbehindert, warten auf einen Platz. "Bisher musste ich den Bewerbern immer absagen", so Albers.

Bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes ist es ein weiter Weg. Noch mangelt es am Geld. "Wir haben Schwierigkeiten mit der Refinanzierung, können noch nicht starten, weil wir sonst den laufenden Betrieb gefährden würden", erklärt Albers. Schon der sei ohne Spenden nicht aufrecht zu erhalten. 40 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sind in den Laurens-Spethmann-Häusern beschäftigt. Eine Million Euro pro Jahr beträgt das Budget von "LeA" schon jetzt. Etwa 900.000 Euro fließen über die Landkreise als Sozialhilfeträger in die Kasse, der Restbetrag muss durch Spenden gedeckt werden, wobei die Spethmann-Stiftung einen großen Teil übernimmt. Trotzdem sei "LeA" immer auf die Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen, die "zuletzt leicht abgeebbt sei", wie Albers berichtet.

Das Problem: Da es sich bei den "LeA"-Häusern nicht um ein Pflegeheim, sondern um eine Einrichtung zur Eingliederungshilfe handelt, gibt es kein Geld aus der Pflegeversicherung der Bewohner. "Ein Fehler im System", sagt Albers. Das Thema Finanzierung schwebe über "LeA" wie ein Damoklesschwert.

Um neue Einnahmen zu akquirieren, hat sich der Förderverein von "LeA" etwas ausgedacht. Wer online einkauft, kann helfen. "Wer auf den Link www.clicks4charity.net/lea klickt und dann bei einem der rund 1.800 aufgelisteten Onlineshops einkauft, spendet zwischen 1,6 und 1,8 Prozent des Umsatzes an LeA", erläutert Vorstandsmitglied Joachim Köhne.

"LeA" in die Zukunft zu führen, ist ab dem 1. Januar die Aufgabe von Sabine Drevin, die den Geschäftsführerposten von Heiner Albers übernimmt. Albers tritt dann sein Amt als Bürgermeister von Hollenstedt an: "Ich bleibe 'LeA' aber freundschaftlich verbunden."

Ihm liegt besonders am Herzen, dass "LeA" weiter in den Köpfen der Menschen eine Rolle spielt: "LeA wird immer auf Spenden angewiesen sein."