Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Neu Wulmstorf: "Ein individueller Wasserdruck ist nicht möglich"

Einen Druckminderer kann er hinter seiner Wasseruhr nicht finden: der Neu Wulmstorfer Henrik Kruse
 
WBV-Geschäftsführer Uwe Paschke (Foto: privat)

Bürger sind verunsichert: Wasserbeschaffungsverband will im April in Neu Wulmstorf und Rübke den Wasserdruck erhöhen

ab. Neu Wulmstorf.
Für Ärger und Verunsicherung in Neu Wulmstorf sorgt seit November vergangenen Jahres ein Schreiben des Wasserbeschaffungsverbands Harburg (WBV). Es informiert die Anwohner in den Ortslagen Neu Wulmstorf und Rübke darüber, dass im April der Wasserdruck um 2,5 bar angehoben wird. Viele Kunden befürchten jetzt, dass es zu Wasserschäden in ihren Häusern kommen könnte. Grund: In dem Schreiben werden sie dazu aufgefordert, überprüfen zu lassen, ob sich ein sogenannter Druckminderer neben der Wasseruhr in ihrem Hausanschluss befindet. Sollte das nicht der Fall sein, rät der WBV dazu, einen Druckminderer einbauen zu lassen. Sonst könnte im Gebäude möglicherweise Wasser austreten.

Auch Henrik Kruse erhielt Post vom WBV und ist verärgert: „Zu wenig Information“, stellt er fest. Dem Schreiben fehle z. B. eine Begründung. Seit 1974 wohnt der Neu Wulmstorfer in einem Reihenhaus und hatte bisher keine Probleme mit der Wasserversorgung. „Eigentlich müsste der WBV selbst die Haushalte überprüfen und die notwendigen Installationen vornehmen“, sagt Kruse. Ein Nachbar habe bereits einen Installateur kommen lassen. Kosten für den Einbau des Druckminderers: 160 bis 200 Euro.
Warum muss der Wasserdruck überhaupt erhöht werden?

Zum Hintergrund: Als der WBV vor zehn Jahren die Wasserversorgung der Gemeinde von den Hamburger Wasserwerken übernommen hatte, wurden kaum Daten mitgeliefert. Uwe Paschke, Geschäftsführer des WBV, erklärt: „Das geschah in einer Hau-Ruck-Aktion nach einem Gemeindebeschluss. Hamburg Wasser wollte die Versorgung Neu Wulmstorfs nicht abgeben und hat ziemlich gemauert.“

Um die Versorgung der Gemeinde schnellstmöglich zu gewährleisten, wurde eine vier Kilometer lange Transportleitung von einem Wasserbehälter in Schwiederstorf nach Neu Wulmstorf gelegt. Anschließend habe sich herausgestellt, dass der Wasserdruck höher war als zuvor. „Darum wurde noch ein zentraler Druckminderer an der Transportleitung eingebaut“, so Paschke. „Wir wussten damals bereits, dass sich das in der schnell wachsenden Gemeinde irgendwann kontraproduktiv auswirken würde.“

Dieser Druckminderer werde nun wieder entfernt. Denn rechtlich sei das Unternehmen verpflichtet, alle Haushalte in Neu Wulmstorf mit Wasser zu versorgen, sagt Paschke. „Auch beispielsweise den dritten Stock der zukünftigen ,Lessing-Höfe'.“

„Der Wasserdruck ist unterschiedlich, was auch mit der jeweiligen Höhenlage zusammenhängt“, so der Geschäftsführer. „Wenn wir könnten, würden wir jeden Haushalt mit einem individuellen Wasserdruck versorgen. Das ist uns aber nicht möglich“, bedauert Paschke. Zwei Installateure des WBV seien zwar seit Wochen im Dauereinsatz. „Doch alle rund 5.000 Hausanschlüsse einzeln zu überprüfen, kann der WBV nicht leisten.“

Ohne Druckminderer könne es im dramatischsten Fall bei älteren Anlagen zu einem Rohrbruch kommen. Wahrscheinlicher sei, dass bei Warmwasseraufbereitern das Trinkwasser wieder ungenutzt zurück in die Kanalisation fließe. Paschke: „An die Hauseigentümer können wir nur eine Empfehlung aussprechen. Wir gehen aber davon aus, dass es in den meisten Anlagen keine Probleme geben wird.“

Ab einem Wasserdruck von 5 bar sollte ein Druckminderer neben der Wasseruhr eingebaut sein. Neuere Anlagen könnten einem Druck von 10 bis 12 bar problemlos standhalten. „Bei älteren Anlagen wissen wir es nicht, da können wir nur informieren.“

Henrik Kruse hat inzwischen selbst ein Schreiben mit Fragen an den WBV aufgesetzt, darauf aber noch keine Antwort erhalten. Dafür ist inzwischen die Politik aktiv geworden: Auf einen Antrag der SPD werden am Donnerstag, 18. Januar, in der Bauausschusssitzung ab 19.30 Uhr im Rathaus zwei Vertreter des WBV noch einmal ausführlich über das Thema informieren.