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Neu Wulmstorfer Kulturverein am Scheideweg

Auch die Theatergruppe "CARAMBA" ist beim Kulturverein angesiedelt (Foto: archiv)
 
Frank Müller, 2. Vorsitzender des Neu Wulmstorfer Kulturvereins (Foto: oh)
bc. Neu Wulmstorf. "Kultur war immer etwas, das nur wenige Leute verstanden": Das Zitat der Mode-Designerin Vivienne Westwood scheint sich in Neu Wulmstorf zu bewahrheiten. Der hiesige Kulturverein steht am Scheideweg. Wohin führt die Reise? Das WOCHENBLATT fragte bei Vorstandsmitglied Frank Müller nach.

WOCHENBLATT: Der amtierende vierköpfige Vorstand des Kulturvereins wird nur noch bis Mitte 2015 weitermachen. Bis zur Versammlung im Mai müssen Nachfolger gefunden werden. Gibt es aussichtsreiche Kandidaten?

Frank Müller: Bisher haben sich leider keine Kandidaten bei uns gemeldet.

WOCHENBLATT: Was passiert, wenn sich keine Freiwilligen finden?

Müller: Wenn sich niemand findet, der bereit ist, im Vorstand mitzuarbeiten, wird der Verein sich an seinem 25. Geburtstag auflösen müssen. Ohne Vorstand geht es nicht.

WOCHENBLATT: Auf was müssten die Neu Wulmstorfer verzichten, wenn sich der Verein auflöst?

Müller: Der Verein hat in den vergangenen fast 25 Jahren über 300 Veranstaltungen organisiert, darunter die alljährlich wiederkehrenden wie das "Maifest" oder den "Weihnachtsmarkt für Jung und Alt" mit dem "Weihnachtsmannwecken". Darüber hinaus hat er in jedem Jahr mindestens ein Klassik-Konzert, eine Kabarettveranstaltung, einen Vortrag über einen berühmten Maler, Theateraufführungen der Amateurgruppe "CARAMBA!", und, und, und durchgeführt. Viermal im Jahr veranstalten wir außerdem den Neu Wulmstorfer Kultursalon, in dem wir uns ausgewählten kulturellen Themen widmen.

WOCHENBLATT: Welche gesellschaftliche Bedeutung hat der Verein für den Ort?

Müller: Der Verein hat immerhin knapp 300 Mitglieder. Ohne den Verein würde das kulturelle Leben in Neu Wulmstorf entscheidend verarmen.

WOCHENBLATT: Dem Vernehmen nach liegt das Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder bei über 70 Jahren? Gibt es Angebote auch für Jüngere?

Müller: Ob das Durchschnittsalter tatsächlich bei über 70 Jahren liegt, kann ich nicht belegen. Es könnte aber so sein. Vielleicht haben wir in der Vergangenheit zu wenig den Fokus auf den Nachwuchs gerichtet. Seit dem vergangenen Jahr bieten wir auch Veranstaltungen für Jugendliche und junge Erwachsene sowie Kindertheater an.

WOCHENBLATT: Interessieren sich die jungen Leute überhaupt noch für Kultur?

Müller: Mir scheint ein Hauptproblem nicht nur in unserer Gemeinde zu sein, dass heutzutage die jungen Familien nicht mehr so jung wie noch vor einigen Jahrzehnten sind, sondern erst im fortgeschrittenen Alter Kinder und Haus bekommen. Was dann dazu führt, dass sie länger mit der Organisation der Familie und des Berufs beschäftigt sind als früher. Von daher gehen sie mit Mitte Vierzig vielleicht weniger zu kulturellen Veranstaltungen des Kulturvereins oder sind weniger bereit, ihre Freizeit ehrenamtlich im Vorstand des Vereins zuzubringen.

WOCHENBLATT: Ist die Vorstandsarbeit im Kulturverein neben Familie und Fulltimejob überhaupt zu schaffen?

Müller: Selbstverständlich ist die Arbeit zu schaffen, wenn man Lust dazu hat. Etwas, das Spaß macht, ist immer zu schaffen. Zuzugeben ist allerdings, dass es bei einem Fulltimejob schwieriger wird. Aber auch zwei unserer Vorstandsmitglieder haben einen Fulltimejob und leisten trotzdem sehr effektive Arbeit. Man muss sich die Arbeit aufteilen.

WOCHENBLATT: Warum sollten sich die Neu Wulmstorfer für den Kulturverein engagieren?

Müller: Ohne den Kulturverein würde das kulturelle Leben in Neu Wulmstorf und Umgebung nicht mehr die Vielfalt aufweisen wie in den vergangenen fast 25 Jahren bzw. würde in manchen Bereichen sogar zum Erliegen kommen.