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Pannen-Post erzürnt Bürger

Nach mehreren Tagen ohne Zustellung platzt dann oft der Briefkasten aus allen Nähten (Foto: mearicon/Fotolia)
 
Der Zustellstützpunkt: Hier werden in Neu Wulmstorf alle Briefe und Pakete sortiert
bc. Neu Wulmstorf. Bianca Hähls, Ruth Köhler-Block, Petra Warren, Mike Jantzen und Klaus Heppert haben alle etwas gemeinsam. Abgesehen davon, dass sie in Neu Wulmstorf wohnen, staunen sie Tag für Tag über die gähnende Leere in ihren Briefkästen. Wenn mal was im Kasten landet, ist es gleich ein ganzes Bündel von Postsendungen. Ihre Vermutung: Es wird systematisch gesammelt.

Unabhängig voneinander meldete sich das Quintett in der WOCHENBLATT-Redaktion. Allesamt berichten von unhaltbaren Zuständen bei der Deutschen Post DHL. „Ich bekomme teilweise tagelang keine Post und dann sind plötzlich acht oder neun Briefe im Kasten. Abgestempelt vor sieben oder acht Tagen, manche aber auch erst vor zwei“, erzählt Mike Jantzen.

Klaus Heppert (69) wohnt an der Stettiner Straße. Der Rentner ist stocksauer. Sieben Tage wartete er auf die wichtige Kurmitteilung seiner Krankenkasse - bis es ihm zu bunt wurde und er persönlich den Zustellstützpunkt an der Königsberger Straße aufsuchte, um seine Post abzuholen. „Das kann es nicht sein“, schimpft der Mann. All seine Nachbarn hätten das gleiche Problem.

Ruth Köhler-Block aus dem Wümmering berichtet ähnliches: „Mir wurde von meiner Versicherung am 15. August ein Formular zugeschickt und am 18. August ein weiterer Brief. Beide Sendungen befanden sich am 19. August im Briefkasten“, schildert die Frau. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass nach einem bestimmten System gesammelt werde.

Komm ich heut nicht, komm ich morgen. Ist das wirklich das Motto der Deutschen Post DHL? Gesetzlich ist das Unternehmen verpflichtet, mindestens 80 Prozent der Briefe binnen eines Tages zuzustellen. In Neu Wulmstorf dürfte diese Quote derzeit nicht erreicht werden.

Firmensprecher Jens-Uwe Hogardt bestätigt Probleme bei der Zustellung. Er führt die Unregelmäßigkeiten auf mehrere Gründe zurück: „Zum einen haben wir einen ungewöhnlich hohen Krankenstand für den Monat August.

Die Urlaubszeit kommt hinzu. Zudem tun wir uns schwer, geeignete Aushilfen zu finden“, erklärt Hogardt. Es gebe zu wenig geeignete Bewerber. Die Post bemühe sich, die Stabilität bei der Zustellung wiederherzustellen. Die Situation in Neu Wulmstorf sei ein Ausnahmefall, so Hogardt.

Eine Aussage, die viele Bürger nicht zufriedenstellen dürfte. Klaus Heppert bringt sie auf die Palme: „Selbst wenn die Post in Neu Wulmstorf derzeit unterbesetzt sein mag, muss es dennoch möglich sein, eine flexible Lösung für den Personalengpass zu finden, sodass einige Zustellbezirke nicht eine Woche auf ihre Post warten müssen.“


Kommentar

Ausbaden müssen es die Zusteller

Die Personalpolitik der Post scheint in Neu Wulmstorf in die Hose gegangen zu sein. Für 11 Euro und ein paar Zerquetschte in der Stunde lassen sich offenbar nicht genügend fähige Aushilfen finden. Ausbaden müssen es die übrig gebliebenen Zusteller, denen der Zorn der Menschen entgegenschleudert. Dass die bemitleidenswerten Austräger dann manchmal schonungslos die Wahrheit offenbaren, ihre Arbeit sei in der vorgegebenen Zeit nicht zu schaffen, ist keine gute Werbung für die Post als Arbeitgeber und taktisch vielleicht nicht besonders klug, aber auch menschlich. Björn Carstens