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"Reste einpacken, bitte!"

Mitnehm-Verpackungen in unterschiedlichen Größen bietet Jörg Hülz vom Kartoffelhaus „papas“ in Neu Wulmstorf an

Gegen Lebensmittelverschwendung angehen: Restaurant-Gäste möchten Reste mitnehmen


ab. Überregional. Die Pizza im Restaurant war lecker, aber einfach zu groß, die Mahlzeit zu üppig. Was in Amerika unter dem Begriff „Doggy Bag“ seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, wünscht sich auch hierzulande ein Großteil der Restaurantbesucher: sich den Rest des Essens einpacken zu lassen. Zu diesem Ergebnis kam es jetzt bei einer Umfrage des Hamburger Markt- und Trendforschungsinstitutes „EARSandEYES“: 83 Prozent aller Bundesbürger würden es begrüßen, wenn sie Reste mitnehmen könnten. Somit ließe sich in der Gastronomie das Wegwerfen von Lebensmitteln stark reduzieren, denn auch Essen, das der Gast nicht angerührt hat, landet normalerweise in der Tonne.
Wer seinen Gästen auf ihren Wunsch Reste der Mahlzeit mitgibt, ist Jörg Hülz vom Kartoffelhaus „papas“ in Neu Wulmstorf. „Wir bieten diesen Service schon seit Jahren an und unsere Gäste wissen das auch“, sagt er. „Ich selbst finde diese Idee gut.“

Hülz hält für seine Gäste Verpackungen in unterschiedlichen Größen bereit. Manchen Gästewunsch kann er allerdings nicht ganz nachvollziehen: „Wir bieten Gerichte in kleinen Portionen an“, erläutert Hülz. „Sich davon noch einen winzigen Klecks einpacken zu lassen, steht meist in keinem Verhältnis mehr zu den Kosten der Verpackung.“

Hülz schätzt, dass mittlerweile jeder zehnte Gast um das Einpacken der Reste bittet, Tendenz steigend. Was er davon hielte, wenn die Gäste ihre eigenen Dosen mitbringen würden? „Das wäre schön, denn dadurch würden auch die Kosten für die Umverpackungen sinken und es gäbe weniger Verpackungsmüll.“

Den Wünschen seiner Gäste folgt auch Carl Hofmann, Betreiber des Restaurants „Dodenhusen“ in Daensen. „Wer sein Schnitzel nicht schafft, dem packe ich es gerne ein“, sagt Hofmann. Auch bei Familienfeiern mit Büfett sei es für Hofmann selbstverständlich, Reste mitzugeben. „Es ist charmant, wenn den Gästen das Essen so gut schmeckt, dass sie es mitnehmen möchten“, findet der Gastronom.
Ein klares Nein erteilt er allerdings bei den Resten von Hochzeitsbüfetts: „Nach einer Feier, die über viele Stunden ging, kann ich meinen Gästen nicht mehr guten Gewissens das Essen mitgeben. Denn ich weiß nicht, wann sie es zu sich nehmen.“ Gerade bei Gerichten mit leicht verderblicher Ware wie Fisch sehe er Probleme. Doch wurde das Mitnehmen der Reste vorher vereinbart, verhielte es sich anders. „Dann bleibt das Büfett nicht stundenlang stehen. Nach dem Verzehr werden die Reste abgeräumt und kühl gelagert.“

Für begrüßenswert hält es auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, wenn Essensreste anstatt in der Tonne in einem Behältnis zu Mitnehmen landen. Einen grundsätzlichen Rechtsanspruch darauf hätten Restaurantgäste in Deutschland jedoch nicht, informiert Dehoga-Pressesprecher Christopher Lueck. „Bei der Thematik, Lebensmittel oder Gerichte in Restaurants zurückgehen zu lassen, die anschließend im Müll landen, sollte schon vor der Verwendung der ,Doggy Bag‘ angesetzt werden“, empfiehlt Lueck. Am besten gelinge dies mit einem zielgruppengerechten Angebot wie beispielsweise senioren- und kindgerechten Portionen.

Die Dehoga engagiert sich ebenfalls in mehreren Projekten gegen Lebensmittelverschwendung, z.B. gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in der Informationskampagne „Zu gut für die Tonne!“.

Doch Gaststätten machen nur einen vergleichsweise kleinen Anteil aus: Einer Studie der Uni Stuttgart zufolge wandern lediglich 17 Prozent durch Großverbraucher wie Restaurants und Krankenhäuser im Müll. Den größten Anteil bilden mit 61 Prozent immer noch die Privathaushalte.

• Weitere Infos zur Kampagne „Zu gut für die Tonne“ unter www.bmel.de.