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Seine Passion wiegt 500 Kilo

bc. Neu Wulmstorf. Gerhard Meyer (52) hat eine Passion: Die ist weiß, französischen Ursprungs, besonders fleischig und wiegt mehr als eine halbe Tonne. Der Landwirt aus Neu Wulmstorf züchtet seit mehr als 30 Jahren Charolais-Rinder - die Rasse, die sich als Fleischlieferant mit markantem Geschmack einen Namen gemacht hat. 105 Tiere hat der Mann auf zwölf Weiden stehen. Ein Hauptabnehmer ist das Restaurant "Zum Dorfkrug" in Neu Wulmstorf.

Rinder sind für den Züchter aber mitnichten reine Produkte zum Verzehren. "Es sind Lebewesen und als solche auch zu behandeln", sagt Gerhard Meyer. Seine Rinder haben sogar Namen. Sie stehen nicht in engen Stallboxen, sondern auf sattgrünem Boden. Naturnah halt. Kraft- und Mastfutter sind bei Gerhard Meyer tabu. Neun Monate dauert es deshalb länger, bis die Tiere schlachtreif sind. Frühestens nach 30 Monaten kommt ein Rind auf die Schlachtbank nach Jork. Kälber tötet Gerhard Meyer nicht: "Will jemand Kalbfleisch, braucht er nicht zu mir kommen. Kälber zu schlachten, halte ich für Vergewaltigung am Tier."

Gerhard Meyer kennt seine Tiere aus dem Effeff. Kuh ist nicht gleich Kuh. "Es gibt Kühe, die lassen sich nicht gerne anfassen. Und es gibt welche, die haben Angst vor dem Tierarzt. Mit der Zeit kennt man die verschiedenen Charaktereigenschaften ganz gut", erzählt Gerhard Meyer. Die Urgesteine in seiner Rinderherde sind zwei 19-jährige Kühe, die noch immer kalben.

Von morgens bis abends ist der Züchter für seine Tiere da. Tut es ihm da nicht leid, wenn er ein Tier auf die Schlachtbank führt? "Nein, so eng darf die Beziehung zum Tier nicht sein. Man darf nicht vergessen, dass es immer noch Nutztiere sind", erklärt Gerhard Meyer.

Nutztiere, aus deren Fleisch Steaks entstehen, die Gourmets zu den besten der Welt zählen. Gerhard Meyers Motto: Gutes Fleisch muss nicht unbedingt von der anderen Seite des Globus kommen. Gutes Fleisch kann durchaus von der Kuh um die Ecke stammen. Sein Plan: Irgendwann einen Dokumentarfilm über die Zucht von Charolais-Rindern drehen. Vielleicht findet sich ja ein Filmemacher.