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Selbsttest: Als Frau auf dem Bau

Bewehrungsstahl wird von einem Kran zu den Arbeitern auf der Sohle herübergeschwenkt. Den Kran lenkt Manuel Brünjes mit einer Fernbedienung
 
Polier Stefan Bierbaum und Projektleiter Oliver Schönfeld

Baustellenluft schnuppern und selbst anpacken / WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping testet es aus

Braun gebrannte Muskelarme. Weißes Feinripp-Unterhemd. Bierbuddel. Trifft das auf den Bauarbeiter von heute überhaupt noch zu? Dem gängigen Klischee wollte ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping, nachgehen.
Bei strahlend blauem Himmel hospitiere ich auf der Baustelle der Nottensdorfer Hausbau- und Immobiliengesellschaft HBI an der Bahnhofstraße in Neu Wulmstorf. Dort wird gerade am ersten von drei Bauabschnitten an einem Wohn- und Geschäftshaus gearbeitet. Die "Sohle", der Boden im Erdgeschoss, wird fertiggestellt. HBI-Projektleiter Oliver Schönfeld nimmt mich auf der Baustelle in Empfang.

Mir werden Sicherheitsschuhe und Helm verpasst, denn beides ist Pflicht. Gemeinsam suchen wir Polier Stefan Bierbaum auf, der im Bürocontainer telefoniert. "Man kommt nicht zum Arbeiten", sagt er nach der Begrüßung. Denn bevor er sich um Dinge wie das Sichten der Baupläne, Materialbestellung und Beantworten von Arbeiterfragen kümmern kann, muss er einen Einbruch melden. Unbekannte hatten in der Nacht zuvor die Tür des Bürocontainers aufgehebelt und es sich mit Lebensmitteln aus dem Kühlschrank gemütlich gemacht. "Die teuren Geräte haben sie liegen lassen", erzählt Bierbaum kopfschüttelnd.

Stefan Bierbaum und Oliver Schönfeld führen mich herum, stellen mich den Arbeitern vor. Die Männer sind freundlich und aufgeschlossen. Niemand klopft Sprüche oder wirft mir komische Blicke zu. Als es heißt, dass ich hier und da mal mit anpacken möchte, wird zustimmend genickt. Ich erfahre, dass Frauen erst auf Baustellen anzutreffen sind, wenn der Rohbau steht und andere "Gewerke" wie Maler und Tischler hinzukommen. Doch auch bei den Berufsgruppen gebe es wenig Frauen.

Im Sonnenschein kommt eine gewisse "Bauarbeiterromantik" in mir hoch. Die verzieht sich aber sofort, als ich bei Manuel Brünjes mithelfe. Bereitwillig überlässt mir der gelernte Zimmermann und Stahlbeton-Bauer seine Bohrmaschine. Bevor ich loslege, stoße ich mir gleich kräftig das Knie. "Bloß nichts anmerken lassen", denke ich und bohre ein Loch in ein Brett. Brünjes schalt gerade den nächsten Betonierabschnitt der Sohle ein, "damit der Beton nicht wegläuft". Das Bohren ist sehr laut. Auf Nachfrage zeigt Manuel Brünjes mir seine extra angefertigten Ohrenstöpsel, die den Baulärm filtern, Gespräche aber zulassen.

Als Nächstes lande ich zum Sandschaufeln bei Matthias Zeisner. Der Maschinist im Garten- und Landschaftsbau gibt mir eine Kleinbagger-Einweisung. Vor den zwei Schaltknüppeln habe ich Respekt. "Man muss sie gleichzeitig bedienen", ruft Zeisner mir zu. Beim nächsten Versuch kippe ich mit der Fahrerkabine schwungvoll nach hinten. "Keine Panik!", antwortet der Bagger-Profi auf meine Bedenken, "der fällt nicht um." Ich gewöhne mich an die Hebel. Das Schaufeln bringt Spaß, aber irgendwann braucht Matthias Zeisner seinen Bagger wieder.

Obwohl ich nicht wirklich geschuftet habe, bin ich kaputt. Mein Fazit nach diesem Experiment lautet: Braun gebrannte Muskeln gibt es, Unterhemd und Bierflasche nicht. Auf dem Bau zu arbeiten, ist ein spannender, aber körperlich sehr anstrengender Job. Ich ziehe meinen Hut vor allen Menschen, die bei Wind und Wetter dafür sorgen, dass jedermann ein solides Dach über dem Kopf hat.