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Topfit trotz Opa-Alter

Horst Radatz marschiert zehn Kilometer in 90 Minuten, ohne mit der Wimper zu zucken
  bc. Neu Wulmstorf. Für seine Enkel ist Horst Radatz ein Vorbild. Der 79-Jährige aus Neu Wulmstorf ist längst im Opa-Alter, könnte die Füße hochlegen. Doch genau das macht er nicht. Er ist fit wie ein Turnschuh, feierte im vergangenen Jahr sein 40. Sportabzeichen in Gold. Von der Gemeinde Neu Wulmstorf wurde er dafür beim Neujahrsempfang ausgezeichnet. "Meine Enkelin hat mich für die Ehrung vorgeschlagen. Ich habe mich sehr gefreut", sagt der Pensionär.

Seine Passion für den Sport fing relativ spät an. Mit 40 Jahren gehörte der Bundeswehr-Reservist Anfang der 1970er Jahre zu den Gründungsmitgliedern der Sport-Reservisten-Kameradschaft in Harburg und wurde auch gleich ihr erster Vorsitzender. Seitdem nimmt und legt er Jahr für Jahr Sportabzeichen ab. Seine vier Wände zieren etliche Orden, Medaillen, Urkunden, Plaketten, auch 22 Bundeswehrleistungs- und etliche Wanderabzeichen sind dabei. Insgesamt, so hat der Witwer gezählt, sind es mehr als 120 Abzeichen.

Seit 40 Jahren läuft, springt, wirft und schwimmt sich Horst Radatz durch die Weltgeschichte. Meistens aber in Harburg, wo der frühere Fahrlehrer der Hamburger Hochbahn bis zu seiner Pensionierung 1999 lebte. Der Senior lief früher unzählige Marathons, auch mal einen 100-Kilometer-Lauf in Unna. Sein jüngstes goldenes Sportabzeichen datiert aus 2013: 200 Meter Schwimmen in 5,55 min, 9,80 m beim Medizinballwurf, 25,80 m beim Schleuderball und 30 Meter Sprint in 5,7 sec. "Vor dem Sprint hatte ich am meisten Respekt", erzählt Horst Radatz mit einem Augenzwinkern.

Der Bewegungsfanatiker ist aber nicht nur im Besitz Deutscher Sportabzeichen, zu seinen Sammlungen gehören auch US-amerikanische, norwegische und österreichische. Besonders stolz ist er auf die amerikanischen "Presidential Sports Awards", die er bei einem deutschen Fregattenkapitän mit guten Kontakten zur US-Army ablegte.

Kompliziert war die Anmeldung für die norwegische Version des Sportabzeichens. "Ich musste nachweisen, dass ich an 20 verschiedenen Sportveranstaltungen teilgenommen habe, die länger als 90 Minuten dauerten. Das war sehr viel Papierkram", erinnert sich Horst Radatz. Die härteste Prüfung sei das norwegische Schwimmabzeichen gewesen: "Da musste ich unter anderem 800 Meter schwimmen, ohne die Arme zu benutzen, und 1.000 Meter in voller Bekleidung absolvieren."

Heute wandert Horst Radatz viel, marschiert auch mit seinen Reservisten-Kameraden. Erst neulich organisierte er den ersten Reservisten-Marsch entlang der Alster: 37 Kilometer von der Quelle bis zur Mündung. Der 79-jährige Stabsfeldwebel der Reserve ließ es sich nicht nehmen, die Marschgruppe an der Spitze anzuführen - ohne mit der Wimper zu zucken. "Ich schaffe zehn Kilometer in 90 Minuten, ohne mich großartig anzustrengen", sagt der rüstige Rentner. Fast allen seiner Altersgenossen geht angesichts solcher Zeiten die Düse.

Sein Tipp: "Es reicht eigentlich, wenn man sich 20 Minuten am Tag bewegt. Das hält fit. Ich marschiere auch nicht jeden Tag, sondern gehe vormittags und nachmittags eine Runde spazieren."

Eines ist klar: Auch in diesem Jahr will Horst Radatz sein Sportabzeichen in Gold ablegen, sein 41.