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Von der Karriereleiter gekickt

Alkan Tunca (li.) mit seinen türkischen Teamkameraden im Trainingslager in Österreich (Foto: Tunca)
bc. Neu Wulmstorf. Sein Traum ist zerplatzt. Alkan Tunca, 21-jähriges Torwart-Talent aus Neu Wulmstorf, wagte im vergangenen Sommer den Schritt aus seiner Heimat ins ferne Südostanatolien. In der türkischen Millionenstadt Gaziantep wollte er Profi-Fußballer werden (das WOCHENBLATT berichtete). Nur drei Monate später ist dieser Plan gescheitert. Er gesteht ein: „Das war wie ein Schlag ins Gesicht.“ Statt an professionellen Fußball zu denken, sucht er jetzt einen Studienplatz in Hamburg.

Was war passiert? „Drei Monate habe ich nicht einen Cent Gehalt gesehen“, erzählt Alkan. Er legte sich mit dem Sportchef an. „In der türkischen Kultur ist es kompliziert, wenn man als junger Mann gegen Ältere aufbegehrt. Der Mann fühlte sich offenbar in seiner Ehre gekränkt“, sagt der selbstbewusste Keeper, dem Experten eine große Karriere prophezeit haben.

Bei seinem Verein „Gaziantepspor Kulübü“ bekam er fortan kein Bein mehr auf die Erde. In einer Nacht- und Nebelaktion flüchtete Alkan nach Deutschland. „Innerhalb von 24 Stunden habe ich meine Koffer gepackt und meine Wohnung gekündigt. Wie sollte ich auch ohne Geld dort zurechtkommen?“, erzählt er.

Drei Monate hielt sich Alkan beim Zweitligisten Greuther Fürth fit, bis er zurück nach Neu Wulmstorf zog. Vor wenigen Wochen wechselte er dann zum Oberligisten FC Süderelbe. Seinen Ex-Verein hat er mittlerweile verklagt auf Zahlung der ausstehenden Gehälter: „Ich hatte eigentlich einen Vertrag über drei Jahre.“ Nicht nur Alkan, auch der FC St. Pauli befindet sich im Clinch mit der Clubführung von „Gaziantepspor Kulübü“. Der Kiezverein, bei dem Alkan früher in der U23-Regionalliga spielte, hat bislang keine Ablösesumme inklusive Ausbildungsentschädigung gesehen. Laut Alkan Tunca immerhin 100.000 Euro.

Sportlich muss der junge Fußballer jetzt kleinere Brötchen backen. Statt vor Tausenden heißblütigen Fans kämpft er nun mit seinen neuen Teamkameraden vor wenigen Hundert Zuschauern um den Klassenerhalt in der Oberliga. Mit dem Profi-Fußball hat Alkan vorerst abgeschlossen: „Wenn ein Angebot kommt, beschäftige ich mich damit, aber die Konzentration liegt jetzt auf dem Studium.“