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Warum Naturschützer Bäume abhacken

Hunderte Bäume wurden in dem Schutzareal Wulmstorfer Heide gefällt
bc. Neu Wulmstorf. Früher donnerten Bundeswehr-Panzer durch das Standortübungsgelände Wulmstorfer Heide, heute trifft man in dem Naherholungsgebiet vor allem Jogger und Spaziergänger. Die Naturschutzstiftung Landkreis Harburg kümmert sich als Eigentümer um das Schutzareal. 171 Hektar Natur pur. Seit Wochen ist die Idylle getrübt. Viele hundert Bäume - darunter vor allem Kiefern - sind der Motorsäge zum Opfer gefallen. Es sollen noch etliche folgen.

Warum hacken Naturschützer fast einen kompletten Wald ab und zerstören Lebensraum von Flora und Fauna?, fragen sich viele Bürger. Ihre Meinung: Was die Panzer nicht geschafft haben, schafft jetzt die Stiftung. "Der Waldcharakter ist bald verschwunden. Das ist nicht zu verstehen", sagt Landwirt Heinz Martens aus Wulmstorf, der das Areal gut kennt. Mit einer Durchforstungsmaßnahme habe das nichts mehr zu tun. Wenn zu viele Bäume aus einem Wald genommen werden, seien die restlichen vor dem nächsten Sturm nicht mehr sicher, so Martens.

Oder will die Naturschutzstiftung vielleicht nur Geld verdienen mit dem Verkauf des Holzes? Die Preise für Brennholz sind in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. Ähnliche Fällaktionen fanden im Schutzgebiet Büsenbachtal/Brunsberg bei Buchholz statt.

Profitgier sei mitnichten Antrieb, die Bäume zu fällen, weist Rainer Böttcher, Vorsitzender der Naturschutzstiftung, die Vorwürfe von sich. Der Ertrag aus dem Verkauf des Holzes werde reinvestiert in Naturschutzmaßnahmen in der Wulmstorfer Heide.

Der dichte Waldbestand werde lediglich im Übergangsbereich zu den offenen Heide- und Magerrasenflächen ausgelichtet. "Eine anerkannte Tierschutzmaßnahme zur Verbesserung des Lebensraumes, die Vögeln, Amphibien und Reptilien zugute kommt", so Böttcher.

Zudem sollen am Samstag, 23. März, in einer großen Aktion 4.000 Eichen auf einer freien Fläche in der Wulmstorfer Heide gepflanzt werden - eine Aktion zum Schutz des Klimas, wie Böttcher betont. "Eichen sind ein sehr guter CO2-Speicher." Langfristiges Ziel sei es, den Nadelholzbestand in Laubwälder umzuwandeln. Aufgrund des sehr sandigen Bodens soll die nicht so anspruchsvolle Stieleiche gepflanzt werden. Bezahlt werden die Bäume zu einem großen Teil von Sponsoren. In 15 Jahren sollen die Eichen laut Böttcher eine Höhe von sechs bis sieben Metern haben. Der Haken: Die Fläche muss wegen des starken Wildverbisses für einige Jahre eingezäunt bleiben.

Landwirt Heinz Martens weiß, dass Wälder von Zeit zu Zeit ausgelichtet werden müssen: "Das ist auch völlig okay. Was hier jedoch passiert ist, grenzt an Kahlschlag."