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Neu Wulmstorf soll weiter wachsen

Nach 30 Jahren kann das Neu Wulmstorfer Zentrum vergrößert werden, fordert SPD-Ratsherr Thomas Grambow
 
Ratsherr und Vorsitzender des Bau-Ausschusses Thomas Grambow (Foto: Grambow)

Zoff mit den Nachbarn: Buxtehude, Buchholz und Hamburg kämpfen dagegen an

ab. Neu Wulmstorf.„Nur gemeinsam ist die Zukunft zu bewältigen“, scheint bloß eine Floskel in politischen Sonntagsreden in der Metropolregion zu sein. Denn geht es um den Wachstum von Handelsflächen, ist sich plötzlich jeder selbst der nächste. Das bekommt Neu Wulmstorf gerade zu spüren: Die Gemeinde möchte sich im Bereich Handel größer aufstellen. Doch darauf reagieren die Nachbarn allergisch. Hamburg, Buchholz und Buxtehude erheben Einspruch gegen eine Status-Aufwertung der Gemeinde, die Neu Wulmstorf die Ansiedlung eines großen Verbrauchermarktes erleichtern würde: Man befürchtet einen Einbruch im eigenen Handel. „Schlichtes Eigeninteresse“, kritisiert Thomas Grambow, SPD-Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister in Neu Wulmstorf.

Als es damals um den Zuzug eines SB-Warenhauses in Buxtehude ging, durfte Neu Wulmstorf nur abnicken. Und auch Hamburg plant, Spekulationen zufolge, die Ansiedlung eines größeren Marktes - direkt an Neu Wulmstorfs Grenze auf dem Gelände der ehemaligen Röttiger Kaserne in Fischbek-Neugraben.
Neu Wulmstorf braucht eine Chance, um sich vergrößern zu können. „Der momentane Stand ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt der stellvertretende Bürgermeister. Er fordert eine Veränderung des 1986 festgelegten Zentrums. „Sonst können wir die nächsten zehn Jahre dabei zuschauen, wie die Nachbarn sich entwickeln.“



Grambow fordert eine Ausdehnung bis zu den Landesgrenzen

Der Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) 2025 sah eine Hochstufung Neu Wulmstorfs von einem Grundzentrum zu einem Ort mit mittelzentraler Teilfunktion im Bereich Handel vor. Mit diesem Status könnte sich ein Verbrauchermarkt in Famila-Größe ansiedeln. „Die Hochstufung wäre der Gardeweg“, sagt Thomas Grambow (SPD). Doch Buchholz, Buxtehude und Hamburg sprachen sich dagegen aus: Sie befürchten eine negative Auswirkung für den eigenen Handel.

Sollte Neu Wulmstorf die Hochstufung nicht erhalten, gibt es, so der SPD-Politiker, noch eine weitere Chance für die Ansiedlung des Verbrauchermarktes: Das Zentrum könnte vergrößert werden. Seit dem Jahr 1986 zählen Teile der Bahnhof- und Hauptstraße zum Zentrum, was bedeutet: Die Fläche des Einzelhandels darf 1.200 Quadratmeter nicht überschreiten. „Das neue Zentrum könnte sich in der Länge der Hauptstraße von der Landesgrenze Stade bis zur Landesgrenze Hamburg ausdehnen und die gesamte Bahnhofstraße einschließen“, sagt Grambow. „Dafür brauchen wir ein Konzept.“ Neu Wulmstorf hätte damit Anrecht auf eine größere Einzelhandelsfläche - und zumindest stückweise einen Status mit mittelzentraler Teilfunktion.

„Ein Verbrauchermarkt wie Famila ist für eine Gemeinde mit Grundzentrums-Status zu groß“, erklärt der Ratsherr. Theoretisch könnte sich Famila im Marktplatzcenter ansiedeln, jedoch ist dort die Fläche zu klein. „Wir brauchen keinen weiteren Lebensmittelmarkt“, erläutert Grambow. „Was wir brauchen, sind Produkte aus dem Nonfood-Bereich, um der Nachfrage von Neu Wulmstorfs Bürgern vor Ort gerecht zu werden.“ Allerdings sieht das Famila-Konzept vor, mindestens 60 Prozent Lebensmittel im Gesamtsortiment anzubieten. Darum wäre eine Ladenfläche um 3.000 Quadratmeter, beispielsweise auf dem ehemaligen Möbel-Meyn-Gelände an der Matthias-Claudius-Straße, für den Verbrauchermarkt ideal.

Die beiden vorliegenden Gutachten zur Famila-Ansiedlung kommen zu unterschiedlichen Aussagen. Eines davon sieht mit Zuzug des Verbrauchermarktes den Lebensmittelhandel in Neu Wulmstorf gefährdet und rät von einer Ansiedlung ab. Das zweite kommt zu einem gegenteiligen Schluss und sieht im Zuzug des Verbrauchermarktes einen Gewinn für die Gemeinde.
Sollte sich der Neu Wulmstorfer Rat für eine Vergrößerung des Zentrums aussprechen und Famila ansiedeln, könnte das allerdings eine lang anhaltende Klagewelle mit sich bringen. „Das gilt es, abzuwägen“, sagt Grambow, „denn daran haben wir kein Interesse.“

Weitere Gespräche auf allen politischen Ebenen müssten dringend geführt werden, so Grambow. Mit einem Zentren-Konzept möchte er bestehende Zweifel zerstreuen. „Entweder wir vergrößern uns jetzt oder wir treten weitere zehn Jahre auf der Stelle.“