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Pyro-Skandal: Fußballverband reagiert auf umstrittene Urteile

Die Bezirksliga-Partie wurde im Dezember beim Stand von 1:2 gegen Elstorf nach der Halbzeit nicht wieder angepfiffen (Foto: archiv/Sport&Lifestyle NW/Elstorf)
bc. Elstorf. Im Zusammenhang mit dem Pyro-Skandal um das Fußball-Bezirksliga-Spiel zwischen dem TSV Elstorf und dem TuS Celle FC (das WOCHENBLATT berichtete) gibt es neue Entwicklungen. Nicht zuletzt aufgrund politischen Drucks - die Vorfälle beschäftigten die Landespolitik und DFB-Präsident Reinhard Grindel - spricht sich der Niedersächsische Fußballverband (NFV) für eine Änderung in seiner Rechts- und Verfahrensordnung (RuVO) sowie in seiner Spielordnung aus und reagiert damit auf zuletzt umstrittene Sportgerichtsurteile - darunter auch der Fall des TSV Elstorf.
Im Kern geht es darum, dass künftig Vereine für das Fehlverhalten ihrer Zuschauer und Fans haftbar gemacht werden können. Final beschlossen werden soll diese Empfehlung des Präsidiums zur sogenannten „Verschuldensunabhängigen Haftung der Mitgliedsvereine für Fehlverhalten ihrer Anhänger“ per Abstimmung auf der nächsten Vorstandssitzung am Samstag, 10. Juni, in Barsinghausen. Gültig wäre die Änderung dann zu Beginn der neuen Saison am 1. Juli 2017.
Zur Erinnerung: Die Bezirksliga-Partie wurde im Dezember beim Stand von 1:2 gegen Elstorf nach der Halbzeit nicht wieder angepfiffen. Die zum Teil stark alkoholisierten Gäste-Fans hatten das Spiel u.a. mit Bengalos so gestört, dass Polizeipräsenz nötig war. Vier Polizisten erlitten leichte Verletzungen.
Das Bezirkssportgericht wertete die Begegnung in erster Instanz mit 5:0 für Elstorf, Celle musste 500 Euro Strafe zahlen, Elstorf 300 Euro für fehlende Ordner. Der TSV akzeptierte die Strafe, Celle nicht und klagte weiter - mit Erfolg - und erzwang ein Wiederholungsspiel. Der TSV Elstorf sollte nun als einziger Verein zahlen, da er keinen Einspruch eingelegt hatte.
Hintergrund der nun angestrebten Ordnungsänderungen ist die Tatsache, dass nach den aktuellen NFV-Bestimmungen bislang Vereine nicht für das Verhalten ihrer Anhänger haftbar gemacht werden können, sofern der Verein nicht selbst schuldhaft handelt. Künftig soll ein Verein auch das Verhalten seiner Offiziellen, Mitarbeiter, sonstiger Erfüllungsgehilfen sowie Personen, deren Verhalten klar darauf schließen lässt, dass sie einen bestimmten Verein unterstützen, verschuldensunabhängig verantworten. Vereine sollen das Verschulden ihrer Anhänger also in gleichem Umfang zu vertreten haben wie das eigene.
Nils Gosebeck, Sprecher des TSV Elstorf, kommentiert die Änderungen: „Uns helfen die Änderungen zwar nicht mehr, aber vielleicht anderen Vereinen. Künftig wird es eine klarere Rechtsgrundlage geben.“ Die ursprünglich angekündigten zivilrechtlichen Schritte hat der TSV übrigens nicht mehr eingeleitet.
Unterdessen bereitet sich der TSV auf das Wiederholungsspiel am Mittwochabend, 26. April, im eigenen Stadion vor (19.30 Uhr). Gosebeck kündigt Einlasskontrollen an. Erwartet werden bis zu 20 Fans aus Celle. 15 bis 20 Ordner will der TSV einsetzen.