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"famila": Jetzt ist die Politik am Zug

"famila" ist unter anderem in Buchholz erfolgreich vertreten (Foto: archiv)
bc. Neu Wulmstorf. Jetzt ist die Politik am Zug. Am Dienstag hat die Kieler SB-Warenhauskette "famila" ihre Pläne der Neu Wulmstorfer Verwaltung und den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat vorgestellt. Die Politik zeigte sich angetan von dem Vorhaben des Vollsortimenters, auf dem brachliegenden Gelände des früheren Möbelhauses Meyn an der B73 einen neuen Markt zu errichten. Eine Entscheidung, ob der Rat den Bebauungsplan ändern wird, fällt aber vermutlich nicht vor 2014. Bis "famila" eröffnen könnte, dauert es wohl noch einige Jahre.

Nach WOCHENBLATT-Informationen plant "famila" ein einstöckiges Warenhaus mit einer Verkaufsfläche von ca. 3.500 Quadratmetern. Hinzu kämen 280 Parkplätze. Das komplette Meyn-Areal neben dem jüngst eröffneten "Möbel Boss" würde "famila" in Anspruch nehmen, sämtliche maroden Gebäude müssten abgerissen werden. Das Unternehmen plant mit einem Investitionsvolumen von knapp acht Millionen Euro. "famila" soll das Vorkaufsrecht auf die Flächen besitzen. Grundstückseigentümer ist die "Ibel & König Immobilien GmbH" aus Hamburg.

Fraglich ist bislang, wie die Zufahrt auf das Gelände gelöst werden soll, ohne einen immensen Rückstau auf der Bundesstraße zu produzieren. Eine direkte Zufahrt von der B73 hat die zuständige Straßenbaubehörde bereits ausgeschlossen.

Eines scheint aber klar: Die Lex "Bahnhofstraße" - wie noch vor zehn Jahren - ist aufgeweicht. Hintergrund: Wie berichtet, sind bislang laut Bebauungsplan nur Möbel- und Baumärkte auf dem Meyn-Gelände erlaubt - zum Schutz der Geschäfte im Ortszentrum an der Bahnhofstraße. Vor Jahren wollte sich mit "Marktkauf" schon einmal ein großes Warenhaus auf dem Meyn-Areal ansiedeln. Die Politik lehnte ab.

Jetzt ergibt sich eine andere Situation. "Wenn jemand in Neu Wulmstorf investieren möchte, müssen wir das zunächst als Chance und nicht als Bedrohung begreifen", sagt SPD-Fraktionschef Tobias Handtke. Die Gemeinde hätte nichts gewonnen, wenn sich eine große Warenhauskette am Ortsrand auf Hamburger Gebiet ansiedeln würde, anstatt in Neu Wulmstorf. Es gelte, den Kaufkraftabfluss zu stoppen. Eine Entscheidung pro oder contra "famila" sei innerhalb der SPD aber noch nicht gefallen. Handtke: "Wir brauchen eine öffentliche Diskussion."

CDU-Fraktionsvorsitzender Malte Kanebley betont, dass ein Warenhaus in der Größe "natürlich eine sensationelle Konkurrenzsituation für die Geschäfte an der Bahnhofstraße" bedeute. Kanebley: "Ein Lebensmittelmarkt mehr in Neu Wulmstorf heißt, dass andere Märkte weniger verkaufen." Trotzdem müsse sich die Politik im Klaren sein, inwieweit sie Einfluss auf den Wettbewerb in Neu Wulmstorf nehmen möchte. Kanebley wünscht sich, dass sich der Gewerbeverein eindeutig positionieren würde. "Wir liegen erst bei fünf Prozent des Entscheidungsprozesses", so Kanebley.

Grünen-Fraktionschef Joachim Franke gibt zu Bedenken, dass "famila" nicht das hochwertige Bekleidungsgeschäft sei, dass sich viele Menschen für Neu Wulmstorf wünschen. Ein Horrorszenario für die Bahnhofstraße müsse aber keiner malen, falls "famila" komme, so Franke.

"famila" hat dem WOCHENBLATT das Interesse an dem Standort in Neu Wulmstorf bestätigt. Sprecherin Bärbel Hammer sagt: "Wir hoffen auf erfolgreiche Abschlüsse." Die Gewerbetreibenden im Ort müssten keine Sorgen haben: "famila ist ein Frequenzbringer für den Ort und stoppt den Kaufkraftabfluss."