Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Sylter Salatfrische": Ein rasanter Aufstieg

Unternehmer Thomas Hauschild ist der Aufstieg zu einem der großen deutschen mittelständischen Lebensmittelproduzenten geglückt
 
Stündlich laufen 13.000 Flaschen "Sylter Salatfrische" in Neu Wulmstorf vom Band
bc. Neu Wulmstorf. Alles begann 2004 auf 16 Quadratmetern im Restaurant "Zum Dorfkrug" in Neu Wulmstorf. Abends nach Feierabend, wenn die letzten Gäste gegangen waren, füllte Thomas Hauschild in der Küche eigenhändig ein paar Flaschen seines hauseigenen Salatdressings ab. Die ersten verschenkte er. Heute laufen im Neu Wulmstorfer Gewerbegebiet auf 7.500 Quadratmetern 13.000 Gläser stündlich vom Band. Eine rasante Entwicklung in nur sieben Jahren. "So eine Geschmacksrichtung gab es bislang nicht", sagt Thomas Hauschild. Das WOCHENBLATT durfte sich am Mittwoch auf dem Produktionsgelände der "Sylter Salatfrische" umschauen.

Mit der kleinen Restaurantküche hat die Herstellung der Salatsauce nichts mehr zu tun. Große Maschinen, riesige Silos, Laufbänder, vollautomatische Abfüll- und Verpackungsanlagen stehen in ehemaligen Hallen einer Spielautomaten-Firma und eines Baustoffhandels. Die ersten der 50 Mitarbeiter kommen schon um 4 Uhr. Sie produzieren nicht mehr nur für die Supermärkte um die Ecke. Das Dressing mit der feinen Zwiebelnote ist inzwischen in allen großen Handelsketten Deutschlands gelistet. Bewusst verzichtet Thomas Hauschild derzeit darauf, eine zweite, günstigere Marke auch bei den Discounter-Riesen Aldi und Lidl zu platzieren. "Wir wollen authentisch bleiben", sagt der Unternehmer.

Thomas Hauschild ist ein Mann der leisen Töne, keiner der mit der Buschtrommel durch die Gegend rennt. Und doch weiß er, dass Klappern zum Handwerk gehört. Sonst wäre ihm wohl kaum in so kurzer Zeit der steile Aufstieg vom Koch und Restaurant-Inhaber zu einem der großen mittelständischen Lebensmittelproduzenten in Deutschland gelungen. Einer, der Schwergewichten der Branche wie "Kühne" was Salatsaucen anbelangt längst ein mehr als ebenbürtiger Konkurrent geworden ist.

Der Marketing-Coup hatte seinen Ursprung 2003 bei einem Urlaub mit Freunden auf der Ferieninsel Sylt. Hier erhielt die Sauce ihren Namen. Inzwischen haben Hauschilds Wettbewerber gemerkt: Mit Sylt lässt sich Geld verdienen. Etliche Nachahmerprodukte à la "Sylter Art" stehen in den Supermarktregalen. In diesem Jahr rechnet Thomas Hauschild mit einer Absatzsteigerung. "2014 wird spannend", sagt der Ur-Neu Wulmstorfer.

Den ersten Dämpfer in der steilen "Zum Dorfkrug"-Historie hat Hauschild bereits verdaut. Als 2011 die EHEC-Epidemie Deutschland in ihrem Bann hielt, rührte wochenlang kaum einer Salat an - schlecht für einen Dressing-Produzenten. Bei Thomas Hauschild setzte ein Umdenken ein. Er erweiterte seine Produktpalette. Heute laufen neben der "Salatfrische" stündlich auch 4.000 "Rote Grütze"-Gläser vom Band. Hinzu kommen Vanille- und Tomatensauce, verschiedene andere Salatdressings und eine eigene Kräuterbutter.

Thomas Hauschild setzt auf den Standort Neu Wulmstorf. In seine "Zum Dorfkrug-Produktions- und Handelsgesellschaft" hat er einen Millionenbetrag im unteren zweistelligen Bereich investiert. Hätte er auf einige Berater gehört, wäre er wohl nicht seinem Heimatort treu geblieben. Es gibt günstigere Produktionsstandorte. Hauschild vertraut trotzdem auf sein gewohntes Umfeld. Ein weiteres Grundstück im Gewerbegebiet mit 46.000 Quadratmetern hat er sich als potenzielle Erweiterungsfläche bereits gesichert.

Landtagspräsident Bernd Busemann und Neu Wulmstorfs Bürgermeister-Kandidat Matthias Weigmann (CDU) machten sich am Mittwoch ein Bild von der Fabrik. Busemann sagte in Richtung Thomas Hauschild: "Ich bin mir sicher, dass sie weiter wachsen werden. Aber bleiben sie bitte in Neu Wulmstorf. Ich glaube, es ist ihnen eine Herzensangelegenheit."