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17 Kühe in drei Jahren verschwunden

Jürgen Stelling auf seiner Wiede in Kehdingen. Er bklagt den Verlust von 17 Stück Vieh
 
Im Januar brachen Viehdiebe Jürgen Stellings Stall auf

"Rinder-Mafia" schlug auch in Kehdingen zu / Geschädigter Bauer: "Die Diebe nahmen immer die besten Tiere mit"

tp. Osten. Professioneller Kuh-Diebstahl im großen Stil könnte in der Region verbreiteter sein, als Polizei und Behörden wahrhaben wollen: "Bei mir geht der Schaden inzwischen an die materielle Substanz", sagt Landwirt Jürgen Stelling (49) aus Osten im Land Kehdingen. Nach eigenen Angaben sind in den vergangenen drei Jahren von seinem Betrieb insgesamt 17 Tiere spurlos verschwunden.

Wie das WOCHENBLATT in dem Artikel "Angst vor der Kuh-Klau-Mafia" berichtete, wurden aus einem Stall in Stade kürzlich sieben tragende Rinder gestohlen. Laut dem geschädigten Bauern, Detlef Cordes, müssen die Täter, die Tiere im Wert von 10.000 Euro im Morgengrauen blitzschnell mit einem Lastwagen abtransportiert haben, vom Fach gewesen sein. In der Kriminalstatistik spiele Viehdiebstahl keine besondere Rolle, hieß es dazu von der Polizei.

Doch Cordes' Berufskollege Jürgen Stelling wittert bei den Tätern hohes kriminelles Potenzial. Er glaubt an ein perfektes Zusammenspiel von Branchenkennern. "Die Diebe haben sich immer die besten Tiere ausgesucht, sie müssen also von Viehhandel etwas verstehen", berichtet Stelling. Auch müssen die Täter routiniert im Umgang mit den Tieren sein, wissen, wie man Vieh verlädt und transportiert und nicht zuletzt über Spezialfahrzeuge und Unterstellmöglichkeiten verfügen.

Den höchsten Schaden erlitt Stelling im Jahr 2011: Während er im Krankenhaus lag, hätten Ganoven aus dem Stall und von der offenen Weide elf Tiere gestohlen. Bei ihrem Beutezug seien die Gauner zudem in sein Haus eingebrochen und hätten Wertgegenstände gestohlen.

Der jüngste Fall habe sich Mitte Januar ereignet. Laut Stelling stahlen die Langfinger zwei tragende Mutterkühe und nahmen landwirtschaftliches Material - vom Heu-Rundballen über Netze bis zu Siloplatten - im Wert von rund 8.000 Euro mit.
Nach Stellings Vermutung müssen die Täter gute Ortskenntnisse haben. Er hegt den Verdacht, dass die Diebe im Vorfeld seinen von der Bundesstraße 495 einsehbaren landwirtschaftlichen Betrieb samt Weiden ausgespäht haben. Auch könnten sie ihn schon persönlich besucht haben: "Bei mir stehen nicht selten vermeintliche Käufer auf dem Hof, die sich angeblich für meine Tiere interessieren", so Stelling.

Zudem hält er es für möglich, dass die Täter Informationen aus dem Internet beschaffen, etwa illegal Zugang zur amtlichen Rinderdatenbank haben, in der neben der Adresse des Halters wichtige Angaben zu seinen Tieren vom Alter über Rasse und Gesundheitszustand verzeichnet sind. Er hält die Datenbank für unübersichtlich und anfällig für Betrügereien.
Überdies sei es nicht schwierig, an neue Papiere heranzukommen. Innerhalb weniger Tage würden die Behörden verloren gemeldete Rinderpässe samt Ohrmarke neu ausstellen.
Entgegen öffentlicher Spekulationen, glaubt Stelling nicht, dass die Hauptabnehmer gestohlenen Viehs in Osteuropa sitzen. Er vermutet eher eine gut eingespielte, verdeckte Kooperation schwarzer Schafen der Branche - vom Viehändler über Halter bis zum "Hinterhof-Schlachter".