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34 Jahre Arbeit in einer Nacht verbrannt

Traurig steht Wolfgang Quast vor den Überresten aus 34 Jahren harter Arbeit (Foto: sum)

Wolfgang und Hella Quast aus Balje: „Für unsere Kinder schauen wir wieder nach vorne.“


sum. Balje. Traurig blickt Wolfgang Quast aus Balje über den großen Platz hinter dem Hofladen. Noch vor sechs Wochen standen dort zwei riesige Hallen, in denen der Obstbaubetrieb die Ernte lagerte und sortierte. Jetzt liegt hier nur noch ein großer Haufen Schutt und Asche und es riecht säuerlich nach gärenden Äpfeln. Auch die Ferienwohnungen brannten komplett aus und die Rückseiten des Büros und des Wohnhauses sind in Mitleidenschaft gezogen. „34 Jahre Arbeit sind in einer Nacht verbrannt“, sagt Hella Quast und kann die Tränen kaum zurückhalten.

In der Nacht auf den Himmelfahrt-Donnerstag löste ein technischer Defekt am Kühlungssystem des Obsthofes in Nordkehdingen einen Großbrand aus, der zu einem Schaden von weit über einer Million Euro führte (das WOCHENBLATT berichtete). Zwei Lagerhallen aus den 1990iger Jahren wurden dabei vollständig zerstört, ebenso die darin gelagerten 600 Tonnen Obst, eine Sortieranlage, sämtliche Fahrzeuge und die Photovoltaikanlage. Dass das Wohnhaus und der Hofladen nur teilweise beschädigt wurden, verdankt die Familie dem Einsatz hunderter Feuerwehrkräfte.

„Unser ältester Sohn wurde nachts per SMS über den Feuerwehreinsatz informiert,“ erinnert sich Wolfgang Quast. Seine Ehefrau erzählt weiter: „Als er auf den Hof kam, dachte er, wir wären alle nicht mehr da.“ Doch zum Glück kam kein Mensch bei dem Feuer zu Schaden. „Meine Mutter konnten wir in letzter Minute aus dem Haus holen“, berichtet die Obsthändlerin. Auch ihr Ehemann ist froh: „Die beiden Ferienwohnungen waren erst am nächsten Tag vermietet.“

Während zwischen den Obstbäumen und im Hofladen etwas Normalität eingekehrt ist, kommen seit Kurzem auf dem Hofplatz schwere Geschütze zum Einsatz, um die Überreste zu entsorgen. Auch die Ferienwohnungen werden abgerissen. „Was wir dann machen, entscheiden wir gemeinsam mit unseren Kindern,“ sagt Wolfgang Quast: „In dieser Saison müssen wir auf jeden Fall ohne Hallen auskommen.“ Die bevorstehende Ernte kann der Betrieb in einer Lagerhalle in Freiburg unterbringen, für die Obstsortierung stellt ein benachbarter Betrieb seine Anlage zur Verfügung. „Alle unterstützen uns großartig", freut sich Hella Quast.

Über das Geschehene will sie zur Zeit aber nicht viel nachdenken. „Dann kommen mir gleich wieder die Tränen.“ Daher ist Hella Quast froh, dass sie in dem schon kurze Zeit nach dem Brand wieder eröffneten Hofladen den ganzen Tag über beschäftigt ist. Aber sie und ihr Mann sind sich einig: „Für unsere Kinder schauen wir wieder nach vorne.“