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Alte Häuser schätzen lernen

Im alten Wohngebäude hat Rita Helmholtz ein kleines Atelier für Künstler eingerichtet (Foto: Silke Umland)

Demografischer Wandel wirkt sich auf die Nutzung alter, leerstehender Häuser und Gehöfte aus

sum. Oederquart. Der „demografische Wandel“ ist in Nordkehdingen ein geläufiger Begriff. Eine Auswirkung ist deutlich an den vielen leerstehenden Häusern erkennbar. Doch dieser Leerstand kann auch eine Chance für die Region sein. Nur wie? Diese Frage stellte sich beim Speichergespräch im Historischen Kornspeicher Freiburg in der vergangenen Woche.

Eine schlüssige Antwort bekamen die Gäste von Kreisbaurat Hans-Hermann Bode und Architekt Lothar Tabery nicht. Die Herren erläuterten in erster Linie die Ziele ihres Vereins „BauKulturLand“ und präsentierten Planungen zu einem Mehrgenerationenprojekt auf einem alten Hof in Oerel. Und Klaus-Dieter Karweik vom Landwirtschaftsministerium riet zu mehr Gelassenheit. Dörfer seien in der Geschichte ständig im Wandel gewesen, ein krasser Strukturwandel sei also nichts Neues.

Wie eine Umnutzung alter Gebäude in Nordkehdingen tatsächlich funktionieren kann, berichteten die Fotografin Rita Helmholtz und Unternehmer Jens Nordlohne.

Die Hamburger Fotokünstlerin Rita Helmholtz, aus der Großstadt bereits ins Alte Land umgesiedelt, brauchte mehr Platz und zog Weihnachten 1999 in ihr neues Domizil in Oederquart. Noch während der ersten Nacht fegte ein Sturm einen Teil des Daches vom Haus. „Ich wusste mir damals keinen Rat und rief die Feuerwehr, die auch sofort ausrückte und die Löcher stopfte“, erinnert sich die Fotografin. Später beauftragte sie die örtlichen Handwerksbetriebe mit der Umgestaltung des Haues: „Die wissen genau, wie die alten Häuser ticken.“ Zwar hat sie immer den Denkmalschutz „im Nacken“, machte bislang aber überwiegend gute Erfahrungen mit den Behörden. Im Wohnhaus errichtete sie ein Atelier und eine Scheune baute sie zum Feriendomizil um. „Die Gäste genießen die Ruhe in dieser Region“, weiß die Managerin und machte deutlich, dass darin ein echtes touristisches Potential für Nordkehdingen steckt.

Auch Jens Nordlohne empfängt gemeinsam mit Ehefrau Katharina auf dem über 700 Jahre alten Gut Ziegelhof Urlaubsgäste. Vor knapp acht Jahren entschied sich das Paar, von Hamburg nach Oederquart zu ziehen und sich hier eine Existenz aufzubauen, zu der auch eine Kommunikationsagentur gehört.

„Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem kleinen Reetdachhaus,“ erzählt der Vater einer vierjährigen Tochter. Doch dann verliebte sich das Ehepaar in die riesige Hofanlage, obwohl ihnen klar war, dass die alten Gemäuer regelmäßig instandgesetzt und man auf jeden Fall fachliche Hilfe in Anspruch nehmen muss. Jens Nordlohne schätzt die gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Verwaltung und den Handwerksbetrieben. Er ist aber davon überzeugt, dass die Infrastruktur für eine bessere Anbindung dringend ausgebaut werden muss.