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Anna singt wieder

Die Geschichte der Tagelöhnerfrauen in Kehdingen erzählte Ingrid Anna Fischer vor dreißig Jahren und heute wieder in dem Film "Annas Lied" (Foto: Silke Umland)

„Annas Lied“ erwacht nach dreißig Jahren zum neuen Leben


sum. Stade. „Anna, das war lange Zeit der Name für die Frauen, die im Norden an der Küste geboren worden sind. Ich heiße auch Anna – Ingrid Anna Fischer.“ Mit diesen Worten beginnt die Geschichte, die Ingrid Fischer aus Stade schon einmal vor 30 Jahren in dem Film "Annas Lied" erzählte. Jetzt erlebt die Dokumentation in der Heimat ein „Comeback“, denn der Filmemacherin ist es mit Hilfe von Sponsoren gelungen, den Film von zwei riesigen 16-Milimeter-Filmrollen auf eine handliche DVD digitalisieren zu lassen.

In Bützfleth geboren und mit 18 Jahren nach Hamburg „ausgewandert“, erlernte die heute 69-Jährige nahezu alle Berufe, die mit dem Filmgeschäft zu tun haben. Sie arbeitete als Cutterin, Regieassistentin oder Skript-Girl und war in Berlin und München als Dozentin, Regisseurin und Produzentin unterwegs.

Doch zu ihrem ersten eigenen Filmprojekt kam die Frau mit den leuchtend-roten Haaren durch einen Schicksalsschlag. 1979 verstarb ihre fast 90-jährige Großmutter. Noch bei der beerdigung war der Enkelin klar: „Ich drehe einen Film über Frauen wie meine Großmutter.“ Mit einem Konzept und den Fördergeldern im Gepäck suchte Ingrid Fischer in ganz Kehdingen nach den passenden Darstellerinnen. „Eigentlich sollten es Schneiderinnen sein, weil meine Großmutter auch eine war,“ erzählt sie, „aber ich fand keine.“

Dafür stieß die Filmemacherin auf Anni Nintzel, Anna Hööck, Gretel Pape, Anna Köhlmann und Annemarie Hammann - fünf zwischenzeitlich verstorbene Tagelöhnerfrauen, die beide Weltkriege miterlebten. Ingrid Fischer ließ die Frauen erzählen, wie sie ihre Kindheit in der unteren Arbeiterschicht verbrachten, um Väter und Brüder trauerten und Familien gründeten. Der Film zeigt die harte Arbeit auf dem Land, aber auch die besondere Lebensfreude der Frauen. Besonders viel Spaß bei den Dreharbeiten hatte Ingrid Fischer damals mit Anni Nintzel aus Balje. Während die fast 70-jährige Landfrau leichtfüßig mit einem Stab über den Graben sprang, holte sich die halb so alte Filmemacherin nasse Füße.

Untermalt mit ruhiger Musik, vielen alten Bildern und zahlreichen Landschaftsaufnahmen entstand ein Film, der 1985 auf der Berlinale für "Standing Ovations" sorgte. „Das war ein tolles Erlebnis,“ erinnert sich die Regisseurin mit strahlenden Augen. „Annas Lied“ wurde in ganz Norddeutschland und auch in Schweden bekannt, schlummerte dann aber für fast drei Jahrzehnte im Bundesfilmarchiv in Berlin.

Daher freut sich Ingrid Fischer um so mehr, dass "ihre Annas" aus Kehdingen durch die Digitalisierung auch heute noch einmal ihre Geschichten erzählen dürfen.

• Der Film „Annas Lied“ ist für 15 Euro erhältlich unter annaslied@t-online.de