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Bananen in Nordkehdingen?

Regisseurin Antje Hubert (v.l.), Bert und Marlene stellten das Bürgerprojekt aus Oberndorf vor Foto: sum

Bürger aus Oberndorf gründeten Aktiengesellschaft und züchten Welse

sum. Freiburg. Der demografische Wandel und die Landflucht sind immer wieder Themen in Nordkehdingen. Doch Jammern allein nützt nichts. Vielleicht sollten sich die Nordkehdinger ein Beispiel an der 1.400 Einwohner kleinen „Nachbar“-Gemeinde Oberndorf an der Oste nehmen, die diesem Problem auf ihre Weise entgegentritt. Das war deutlich auch in dem zwischenzeitlich über die Grenzen Niedersachsens hinaus bekannten Dokumentarfilm „Von Bananenbäumen träumen“ von Antje Hubert zu sehen.

Der Film zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie der Kampfgeist der Einwohner geweckt wurde, als die Schließung der örtlichen Grundschule und damit der Wegfall einer Perspektive gerade für junge Familien bevorstand. Die engagierten Bürger holten sich Hilfe von außen in Form eines Projektentwicklers aus Berlin. Sie gründeten eine Bürger-Aktiengesellschaft und errichteten eine nachhaltige Fischzuchtanlage. Die Bürger brauchten jedoch Nerven und einen langen Atem. „Eine Aktiengesellschaft wurde in dieser Region noch nie gegründet und dauerte mehrere Monate“, erzählte Bert Frisch. Und auch die Erteilung der erforderlichen Baugenehmigung für die Zuchtanlage ließ auf sich warten.

Doch der beharrliche Einsatz zahlte sich. Die Energie für die Fischzuchtanlage liefern die örtlichen Landwirte in Form von Gülle, die in einer Biogasanlage in Strom umgewandelt wird. Mit der Abwärme wird die Aquakulturanlage beheizt, in der seit Kurzem afrikanische Welse heranwachsen. Die „Ostewert AG“ verkauft bereits jetzt jede Woche 800 Fische an die Gastronomie und Privathaushalte und beschäftigt mehrere Angestellte. Von den irgendwann zu erwartenden Überschüssen sollen örtliche Projekte unterstützt werden. Zu denen zählt auch eine Freie Schule, die voraussichtlich im kommenden Jahr startet und in der bereits 75 Kinder angemeldet sind.

Und die Träume sind noch nicht zu Ende. In Zukunft soll es in Oberndorf Gewächshäuser für den Anbau von Gemüse und exotischen Obstsorten geben. Wärme gibt es Dank der Biogasanlage genug und als Dünger dient der Kot der Fische. Auf die Frage, ob die Bürger Hilfe aus der Gemeinde bekamen, erklärte Bert Frisch, dass die Gemeinde Oberndorf zwar mit im Boot sitzt: „Aber es ist nicht unser Ding, nach dem Staat zu rufen. Das muss man selber machen.“

Vielleicht hätte der Film aber gerade bei den politischen Vertretern aus Nordkehdingen für Inspiration gesorgt. Doch bis auf einige Ausnahmen waren es überwiegend Bürger, die den Film interessiert verfolgten und Fragen an die Regisseurin Antje Hubert und den „Mit-Machern“ Bert und Marlene Frisch aus Oberndorf richteten.