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Belanas Uroma stammt aus Kehdingen

Martin Rave aus Stade Kartoffelzuchtstation in Freiburg und kennt sich mit den Knollen bestens aus

Kartoffelzuchtunternehmen sorgt für den Erhalt alter und neuen Sorten

sum. Freiburg. Belana, Nicola und Gloria, diese drei "Damen" wachsen an der Elbe auf und ihre Nachfahren landen irgendwann mal im Kochtopf. Die Böhm Nordkartoffel Agrarproduktion sorgt im Flecken Freiburg für den Erhalt alter und neuer Kartoffelsorten, die anschließend zur Vermehrungszucht in die ganze Welt gelangen.

Was genau die Kartoffel zwischen den Deichen zu suchen hat, erläuterte Zuchtleiter Martin Rave aus Stade den Zuhörern des zehnten Speichergespräches im Freiburger Kornspeicher. „Eigentlich könnte jeder Kartoffeln züchten“, erklärte der Gastreferent, „sie brauchen nur zwei Kartoffelblüten, die Sie kombinieren.“ So einfach ist es dann aber doch nicht.
Bis zu zehn Jahre dauert es, bis eine neue Züchtung tatsächlich vom Bundessortenamt registriert wird. „Man muss also heute schon wissen, welche Eigenschaften eine Kartoffel in zehn Jahren haben soll“, berichtete der Zuchtleiter.

Und erst dann beginnt die eigentliche Arbeit in Freiburg. Dort nämlich werden seit rund 20 Jahren 80 alte und neue Sorten dergestalt vorbereitet, dass sie anschließend in Betriebe in aller Welt gesandt werden, wo die Knolle weiter vermehrt und an die Anbaubetriebe verkauft wird. Erst dort wächst die Kartoffel, die später auch im Topf landet.

Aber warum erfolgt die Erhaltungszucht gerade in Nordkehdingen, wo doch die schwere und nasse Erde dem Knollenwachstum vermeintlich gar nicht zuträglich ist? Im Freiburger Betrieb kommen jedes Jahr tausende zarte Kartoffelpflänzchen aus dem Labor einer Schwesterfirma an, die dort unter sterilen Laborbedingungen das Licht der Welt erblickten. Bevor sie im Gewächshaus hinter dem Deich weiterwachsen dürfen, wird die Erde durchgekocht und das Haus gewaschen. „Damit haben wir den ersten Schritt für eine gesunde und leistungsstarke Kartoffel getan“, beschreibt Martin Rave das Vorgehen.

Die im Gewächshaus „geborene“ Knolle darf sich in den darauffolgenden Jahren unter freiem Himmel weitervermehren. Der Kleiboden ist besonders weich und dient der Kartoffel als gemütliche Matratze. Da es in Kehdingen keine weiteren Kartoffelbauern gibt, ist die Übertragung von Ungeziefern und Bakterien so gut wie ausgeschlossen. „Unser Vorteil ist auch, dass in diesem kalten Klima Ungeziefer später Einzug halten als in anderen Zuchtgebieten“, erklärt der Rerent, „so haben unsere Kartoffeln mehr Zeit, um resistent zu werden.“ Er leugnete aber nicht, dass bei Bedarf auch Pflanzenschutzmittel unter anderen gegen die berüchtigte Krautfäule eingesetzt werden. Damit die Kartoffeln auch im feuchten Kehdingen trockene Füße behalten, werden Entwässerungsgräben gezogen und die Knollen in aufgehäuften Dämmen eingesetzt. „Nur wenn wir einen wirklich nassen Sommer haben, wird es schwierig“, erklärte Martin Rave. Nach dem Ernten warten Nicola und Co. im Kühlhaus auf ihre Weiterreise.
Und wenn heute Mittag die in Deutschland zur Zeit beliebte Belana gekocht, gebacken oder gebraten auf dem Tisch landet, ist auch deren Uroma vielleicht in Kehdingen aufgewachsen.