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"Besuchen Sie die Höfe"

Karen Wohlers vom Kreisbauernverband berichtete den Landfrauen und -männern aus Nordkehdingen über ihren täglichen Kampf gegen negative Presse in der Landwirtschaft (Foto: sum)

Karen Wohlers vom Kreisbauernverband will Verbraucher aufklären

sum. Oederquart. Karen Wohlers vom Kreisbauernverband Stade hat eine Mission: Sie will die Landwirte in der Region selbstbewusst und stark machen. Auch bei den Landfrauen Nordkehdingen machte die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit den knapp 30 Zuhörern in der vergangenen Woche klar: "Erzählen Sie dem Verbraucher, warum Sie tun, was Sie tun".

"Es ist schade, dass bei mehr als 400 Mitgliedern im Landfrauenverein nur so wenige hier sind", erklärte eine Zuhörerin. "Eigentlich müssten hier jetzt diejenigen sitzen, die über unsere Arbeit und unsere Produkte schimpfen", meinte ein weiter Gast. Die Landfrauen und -männer machten ihrem Unmut über die Kampagne der Umweltministerin Barbara Hendriks Luft. Auch Karen Wohlers war erbost: "Wo zum Teufel bleibt die Sachlichkeit? Versetzen Sie sich mal in die Lage des Verbrauchers. Was soll er denn denken, wenn er jeden Tag Negatives über die Landwirtschaft liest?"

Die Referentin erläuterte, wie Landwirte bei negativen Äußerungen handeln sollten: "Laden Sie die Verbraucher ein, ihren Hof zu besichtigen. Ich würde mir wünschen, dass jedes Kind einmal in seinem Leben auf einem Bauernhof war." Karen Wohlers berichtete über ihre Arbeit im Kreisbauernverband. Schimpft ein Leser wieder über die Landwirtschaft, versucht sie den Schreiber ausfindig zu machen, zeigt Verständnis für seine Meinung, klärt ihn aber auch auf. "Und ich lade jeden Leser immer zu einem Hofbesuch ein", erklärt die Landwirtin. Oft stellt sich heraus, dass gerade diese Briefeschreiber noch keinen Hof besucht haben und gar nicht wissen, wie dort gearbeitet wird. "Nehmen die Leser das Angebot an?", fragte eine Zuhörerin und erhielt zur Antwort: "Nein, aber sie schreiben auch keine Leserbriefe mehr."

Karen Wohlers machte klar, dass viele Verbraucher keine Ahnung haben, welche natur- und umweltschutzrechtlichen Hürden die Landwirte überwinden müssen, um einen neuen Stall oder eine Siloplatte zu errichten. Zu den angeblich kranken Tieren erläuterte sie, dass die Vergabe von Antibiotika in den vergangenen Jahren halbiert wurde. Kranke Kühe werden viel genauer untersucht als Menschen, bevor sie ein Medikament erhalten. "Das würde ich mir für unsere Krankenhäuser wünschen", erklärte die Kreisbauernverbands-Mitarbeiterin. Eine Landwirtin warf ein: "Wir können uns auch gar keine kranken Tiere erlauben. Dann werden sie nämlich nicht geschlachtet und wir müssen auch noch Strafe zahlen."

Als die Referentin am Ende noch einmal die Frage ins Publikum richtete: "Können wir unsere Lebensmittel mit ruhigem Gewissen essen?" nickten die Zuhörer bestimmt. Doch Karen Wohlers machte auch noch einmal klar: "Wir Landwirte wissen das, aber die Verbraucher nicht. Und das muss sich dringend ändern."