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„Bufdi“ mit 68 Jahren

Christel Beckmann (68) aus Dornbusch engagiert sich als "Bufdi" in der Flüchtlingsarbeit in der Gemeinde Drochtersen (Foto: sum)

Christel Beckmann absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst

sum. Drochtersen. In der Regel sind es junge Mensche, die nach ihrem Schulabschluss ein freiwilliges soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst machen, um zu sehen, in welche berufliche Richtung es einmal gehen kann. Dass man für diese Tätigkeit aber kein Jungspund sein muss, beweist Christel Beckmann. Die 68-Jährige engagiert sich seit September als „Bufdi“ in der Gemeinde Drochtersen.

Eigentlich könnte Christel Beckmann aus Dornbusch schon seit fast drei Jahren ihren Ruhestand genießen. Nachdem die gelernte Buchhalterin zunächst lange Zeit bei Stader Behörden tätig war, orientierte sich die wissbegierige Frau beruflich noch einmal um und fing als selbständige Vertreterin bei einer großen Versicherungsagentur an. Doch nach zwanzig Jahren schickte die Versicherung die damals 65-Jährige in die Rente. „Da war auch nichts zu machen, da die Regeln der Versicherung keine Ausnahmen vorsahen,“ bedauert die Kehdingerin.

„Ich konnte mir aber nicht vorstellen, den ganzen Tag zu Hause zu sitzen,“ erzählt Christel Beckmann. Also machte die frisch gebackene Rentnerin eine Fortbildung zur Seniorenbegleiterin. Doch das reichte immer noch nicht, um die aktive Frau bei Laune zu halten. „Da machte mich mein Mann darauf aufmerksam, dass in Drochtersen eine Betreuung für Flüchlingskinder gesucht wird“, erinnert sich die seit fast fünf Jahrzehnten mit dem Gästeführer Reinhard Beckmann verheiratete Frau.

Mit der Aufnahme der Kinderbetreuung wuchs das Interesse an der Flüchtlingsarbeit und die lernfreudige Rentnerin ließ sich zur Flüchtlingsbegleiterin ausbilden. Immer öfter schlug Christel Beckmann im Rathaus auf, um die Einrichtung der Wohnungen für die Neuankömmlinge zu organisieren, den Empfang der Flüchtlinge zu planen und sie aktiv in die Gemeinde zu integrieren.

Wie viel Zeit Christel Beckmann investierte, kann sie gar nicht genau sagen. Doch im Rathaus überlegte man, wie dieses Engagement honoriert werden kann. „Schließlich schlug man mir vor, mich bei der Gemeinde doch für ein Bundesfreiwilligendienst zu bewerben,“ erklärt die junggebliebene Rentnerin, die diesen Vorschlag gerne annahm. Seit September erhält sie als „Bufdi“ für
ihren Einsatz in der Flüchtlingsbetreuung zumindest ein kleines Taschengeld.

Offiziell ist die engagierte Frau somit 40 Wochenstunden bei der Gemeinde beschäftigt und kümmert sich um alle Angelegenheiten, die mit der Betreuung und Unterbringung der zur Zeit 128 Flüchtlinge in der Gemeinde zu tun haben. „Bürodienst“ hat Christel Beckmann jeden Donnerstag, wenn sie im Rathaus sitzt und insbesondere die behördlichen Angelegenheiten regelt. Ansonsten ist sie überwiegend im „Außendienst“ unterwegs, holt Haushaltsgegenstände mit dem Bus ab, besucht die Familien zu Hause oder fährt mit ihnen zu den außerhalb gelegenen Behörden.

Und auch nach Feierabend ist der „Bufdi“ noch aktiv und lud zum Beispiel am Heiligabend mehrere Flüchtlinge zum gemeinsamen Hühnersuppen-Essen ein. Chrstel Beckmann ist sich sicher: „Erst wenn ich aufhöre so zu sein wie ich bin, werde ich alt.“