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"Das geht doch noch kleiner"

In seiner "Keller-Werft" baut Rudolf Oehlmann ganze Schiffsflotten
 
Vier hübsche Mädels und fünf Mehrmaster in einer Hand hat nur Rudolf Oehlmann zu bieten

Rudolf Oehlmann baut mit dem Zahnarztbohrer ganze Schiffsflotten für die Streichholzschachtel


sum. Himmelpforten. Wer sich die Fünfmaster von Rudolf Oehlmann (74) genauer anschauen möchte, muss gute Augen haben. Denn seine Miniatur-Schiffe finden in der kleinsten Streichholzschachtel Platz.

Der Rentner aus Himmelpforten hatte schon immer eine Leidenschaft für die Schifffahrt. „Das kommt, wenn man am Wasser aufwächst“, erklärt Rudolf Oehlmann, der seine Kindheit in Bützfleth verbrachte. Deshalb machte er nach seiner Lehre zum Maschinenbauer auch sein Patent und arbeitete fast zehn Jahre als Maschinist auf hoher See. In dieser Zeit lernte er auch seine Ehefrau Christel (65) kennen, mit der er schon 44 Jahre verheiratet ist und zwei Kinder hat.

Rudolf Oehlmann, der zuletzt als Maschinenschlosser in Stade arbeitete, entdeckte sein Hobby 1997 kurz nach dem Eintritt in den Vorruhestand. „Meine Frau hat diese Leidenschaft in mir geweckt“, berichtet der grauhaarige Mann mit einem Lächeln. Sie war es, die sich auf einem Flohmarkt in ein Modell-Schiff verliebte. Ihr Mann schaute sich das Stück genauer an und beschloss: „Das kann ich viel besser“. Zu Hause setzte er sich an seine Werkbank und baute „mal eben“ eine Kogge, über die sich seine Frau riesig freute und die seitdem einen festen Platz vor dem Esszimmer-Fenster hat. Innerhalb von sieben Jahren stellte er acht Modellschiffe her, die mit der Zeit immer größer wurden. Das letzte Werk war ein 1,70 Meter langer Walfänger, der aus Platzgründen im Forum Maritim in Cuxhaven "gestrandet" ist.

Doch Rudolf Oehlmann suchte die Herausforderung. „Das muss doch auch kleiner gehen“, dachte er sich und bastelte vor zehn Jahren sein erstes Schiffchen für die Streichholzschachtel. Seine Koronar-Sportlehrerin Beate Drewes aus Krautsand, der er dieses kleine Geschenk zum Geburtstag machte, war total begeistert und forderte ihren Schüler auf: „Die musst Du auf der nächsten Hobby-Kunstausstellung zeigen.“ Ein wenig unsicher, schließlich aber von seiner Frau überzeugt, beschloss der Hobby-Schiffsbauer, mehr dieser Miniatur-Schiffchen zu fabrizieren.

Wenn Rudolf Oehlmann also nicht mit dem Fahrrad unterwegs ist oder in seiner maritimen Buchsammlung stöbert, verbringt er die Zeit in seiner „Keller-Werft“. Fängt der Bastler erstmal mit der Arbeit an, kann ihn nichts aus der Ruhe bringen, nicht mal seine von den Herzmedikamenten zitternden Hände. Mit aufgestützten Armen schnitzt er gleich 60 Rümpfe und Masten, die er anschließend nacheinander verleimt. Ist der letzte Rumpf fertig, kann er am ersten Rumpf die ersten Papier-Segel setzen. Für diese präzise Arbeit nutzt der Seebär einen alten Zahnarztbohrer und andere „Folter-Instrumente“ seines Bruders, der früher Dentist in Himmelpforten war.

Mit strahlenden Augen zeigt der Seebär die verschiedenen Modelle und holt schließlich sein derzeitiges Lieblingsstück hervor: Eine schmale Streichholzschachtel mit fünf leicht bekleideten Mädels auf der Vorderseite. Er schiebt das Kästchen vorsichtig auf und zum Vorschein kommen fünf Mehrmaster, keines größer als ein Ein-Cent-Stück. Rudolf Oehlmann ist sich sicher: „Ich habe die kleinste Auslauf-Parade der Welt“.