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Deichsicherung für Elefanten

Viele Bürger aus Freiburg sind ärgerlich, dass sie noch nicht einmal auf ihrem alten Deich wieder spazieren gehen können
 
Hinter diesem Zaun könnten nach Auffassung der Freiburger Elefanten oder Nashörner gehalten werden

Zaunanlage mit Stacheldraht sorgt für Ärger in Freiburg / Kein Durchkommen für Spaziergänger


sum. Freiburg. Das Schild mit dem Hinweis "Wanderweg" steht gut sichtbar auf dem Außendeich in Freiburg. Eine Benutzung dieses Weges wird den Spaziergängern aber durch eine massive Stacheldraht-Zaunanlage verwehrt.

Als vor zwei Jahren der Ringdeichbau in Freiburg begann, haben sich die Einwohner damit abgefunden, ihren Außendeich einige Zeit wegen der Baumaßnahmen nicht begehen zu können. Umso mehr haben sie sich aber darauf gefreut, in Zukunft auch auf dem Ringdeich ihre Runden zu drehen. Doch diese Freude wurde ihnen nun auf massivste Art und Weise verwehrt.

Kilometerweit erstreckt sich am gesamten Ringdeich und auch am Fuße des Außendeichs ein in dieser Form sicherlich einmaliger Zaun. Alle drei Meter ranken dicke Eichenpfähle aus der Erde, an denen ein Maschendraht befestigt ist. Oberhalb des Gitters wurde darüber hinaus ein stabiler Stacheldraht gezogen. "Hinter diesem Zaun könnten Elefanten oder Nashörner gehalten werden", beschreibt Dr. Günther Essbach die Anlage. Er ist seit über dreißig Jahren als Landarzt in Freiburg tätig und ging bislang eigentlich gern am Deich spazieren. Seine Frau Nanke sorgt sich: "Nicht auszudenken, was passieren kann, wenn Kinder auf die Idee kommen, da rüber zu klettern."

Schriftliche Anfragen, warum eine solche Zaunanlage erforderlich ist, blieben vom Deichverband bislang unbeantwortet. Es gibt nur die mündliche Aussage des Geschäftsführers Hauke Meier, dass er keine Leute auf dem Deich wolle. Auf telefonische Anfrage erklärte Deichgraf Peter Lemke dem WOCHENBLATT, mit dieser Lösung zwar auch nicht richtig glücklich zu sein. Doch der jetzige Zaun sei erforderlich, um Wälle und Schafe insbesondere vor den Hunden zu schützen, ohne an den Deichen ein generelles Hundeverbot auszusprechen.

Viele Bürger aus Freiburg haben kein Verständnis dafür, dass die Deiche in eine "Fort Knox-gesicherte" Anlage verwandelt wurden. Der Zaun steht so dicht an den Straßen, dass eine Gefahr für stürzende Rad- oder Inlinefahrer besteht. Sigrid Reuels aus Freiburg hat diese Erfahrung schon gemacht, als sie bei einem Spaziergang stolperte und gegen den Zaun fiel. "Zum Glück hat es nur meine Jacke zerrissen", berichtet sie.

Dass Zäune zum Schutz der Schafe sein müssen, sehen die meisten ein. Und dass Hunde nicht auf den Deichen laufen sollen, auf denen die Wolltiere grasen, können die meisten auch nachvollziehen. Aber dass selbst den tierlosen Fußgängern der Weg auf die Deiche verwehrt bleibt, stößt bei allen auf Unverständnis. Pforten, die früher einen Zutritt zum alten Schutzwall ermöglichten, gibt es nicht mehr. Die Hecks, die der Deichverband eingebaut hat, sind fest verschlossen. "Das fördert den Tourismus in Nordkehdingen bestimmt nicht", ist sich Stefan Wilke sicher.

Schäfer Kay Krogmann verteidigt sich gegen die Vorwürfe, dass er für diesen Massivbau am Deich mitverantwortlich sei. Er ist zwar der Auffassung, dass ein Deich zum Schutz vor dem Wasser und nicht zur Belustigung der Menschen dient. Aber er erklärt auf Rückfrage des WOCHENBLATT: "Wir sind vom Deichverband nicht gefragt worden, wie der Zaun gebaut werden soll." Die einzige Bedingung bei Beginn des Deichbaus war, dass dort, wo zuvor Zäune waren, auch wieder welche hin kommen. Einen Stacheldraht hält aber auch er für übertrieben.