Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Der Fahrlehrer für alle Fälle

In mehr als fünf Jahrzehnten brachte Gregor Freytag rund 5.000 Schülern das Autofahren bei


sum. Wischhafen. Wie vielen Autofahrern er zum „Lappen“ verholfen hat, kann Gregor Freytag gar nicht genau sagen. Aber 5.000 dürften es während seiner 55-jährigen Dienstzeit als Fahrlehrer wohl gewesen sein. Jetzt hat er den Fahrschul-Autoschlüssel für immer an den Nagel gehängt. Ein anekdotenreiches Berufsleben:

Der gebürtige Ostpreuße, der in Verden an der Aller als Sohn eines Fahrlehrers aufwuchs, entschloss sich nach einer Maschinenbaulehre, doch in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Damals saß Fuhrunternehmer Karl Meyer aus Wischhafen im Fahrlehrer-Prüfungsausschuss und versuchte, den damals 23jährigen mit allen Mitteln nach Nordkehdingen zu locken. Nach einer Fahrt auf Elbe stand der Entschluss für Greggi und Ehefrau Hannelore: "Wir ziehen nach Wischhafen."

Acht Jahre arbeitete Gregor Freytag als angestellter Fahrschullehrer, bevor er sich 1968 mit einer eigenen Fahrschule in Wischhafen selbständig machte.

Gerne erinnert sich der geduldige Mann an die alte Zeit zurück, in der es noch um einiges leichter war, an den Führerschein zu kommen. „Damals wurde zwar nur mündlich geprüft, doch mindestens einer musste den Paragraphen 1 der Straßenverkehrsordnung aufsagen“, erzählt Greggi, „und für die Fahrprüfung reichte eine Runde um den Block.“ Es ist auch kaum zu glauben, dass es die Moorchaussee nach Stade damals noch nicht gab, man im Winter einfach mit dem Auto über die zugefrorene Oste fuhr und der Weg ins Alte Land noch über den Fischmarkt Stade führte.

Mit einem Schmunzeln denkt der ausgeglichene Vater eines Sohnes an die Prüfungsfahrt eines Lkw-Fahrers zurück, der damals bei einer Molkerei anfangen wollte: „Er jagte den Lkw so schnell über das Kopfsteinpflaster der Stader Innenstadt, dass der Prüfer ihm prophezeite, dass die Milch im Tank noch auf dem Weg zur Molkerei Butter werden würde.“ Ein anderer Fahrschüler hatte es nach den Erzählungen von Gregor Freytag hingegen nicht besonders eilig und erklärte dem verblüfften Prüfer, dass er lieber fünf Minuten feige, als ein Leben lang tot sei. „Diesen Spruch habe ich gerne an meine Schüler weitergegeben“, berichtet der Wischhafener.

Gregor Freytag ist weit über die Grenzen Nordkehdigens als immer gut gelaunter Fahrlehrer bekannt, den man nicht aus der Ruhe bringt. Nicht einmal, als vor Jahren die Tasche des Prüfers mit den vorbereiteten Führerscheinen gestohlen wurde. „Ich musste meine Schüler nach Hause schicken,“ erinnert er sich. Der Dieb wurde gefasst, als er einem der Fahrschüler tatsächlich den noch gar nicht bestandenen Führerschein verkaufen wollte.

Im Jahr 2000 übergab Greggi Freytag seinen Betrieb an Kai Lorenzen, war aber bis zum vergangenen Jahr oft und gerne als „Fahrlehrer für alle Fälle“ im Einsatz. Mittlerweile genießt er mit Ehefrau Hannelore statt einer rasanten Autofahrt lieber einen gemütlichen Spaziergang durch Wischhafen.