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Die Frau mit der Kettensäge

Nur in voller Schutzmontor lässt Viktoria Tempel die Kettensäge kreisen (Foto: sum)
 
(Foto: Silke Umland)

Hobby-Künstlerin Viktoria Tempel schnitzt alles weg, was nicht nach Pferd aussieht

sum. Wischhafen. Das lauten Kreischen der Kettensäge in der kleinen Seitenstraße in Wischhafen ist schon von Weitem zu hören. Das kann nur bedeuten, dass sich Viktoria Tempel wieder ihr „Männerspielzeug“ geschnappt hat und einem Holzklotz einen neuen Look verpasst. Seit drei Jahren ist die 49-jährige leidenschaftliche Hobby-Kettensägen-Künstlerin.

„Den Kettensägenschein habe ich schon vor Jahren gemacht“, erklärt Viktoria Tempel, der man den Umgang mit dem „schweren Gerät“ auf den ersten Blick gar nicht zutraut. Sie erzählt: „Auf dem Pferdehof musste ich öfter die Säge in die Hand nehmen.“ In Lübeck geboren und aufgewachsen kaufte Viktoria Tempel nach ihrer Ausbildung zur Tierarzthelferin und einem Tiermedizin-Studium Anfang der 1990er Jahre einen über 100 Jahre alten DDR-Hof in der Nähe von Berlin und baute sich hier einen eigenen Pferdebetrieb auf. Nebenbei absolvierte sie eine Ausbildung zur Pferdewirtin. Den Hof musste sie wegen eines Rückenleidens jedoch schließlich aufgeben und fand mit ihrem zweiten Ehemann Joey vor gut vier Jahren in Nordkehdingen ein neues Zuhause.

„Kurz nach unserem Einzug haben wir auf einem Fest den Holzmichi kennengelernt“, erinnert sich Viktoria Tempel. Michael Volz aus Neuhaus/Oste ist ebenfalls Kettensägen-Schnitzer und bietet auch entsprechende Kurse an. „Ich habe mich sofort angemeldet und wollte mal eben eine Eule zum 80. Geburtstag meines Vaters schnitzen“, erzählt die Sängerin der Band Moortempel. Nachdem morgens für die Anfänger ein Pilz auf dem Programm stand, gestaltete die gut gelaunte Schnitzerin nachmittags dann tatsächlich innerhalb weniger Stunden und mit vielen Tipps des Kursleiters ihre erste Eule. „Damit war es um mich geschehen,“ erklärt die zweifache Mutter. Und auch ihr Papa war von ihrem „selbstgebastelten“ Geschenk begeistert.

Also kaufte sich die Hobby-Schnitzerin eine Kettensäge mit einem speziellen Schwertaufsatz, besorgte sich einige Holzklötze und sägt so oft es geht. Dabei lässt sie ihrer künstlerischen Ader freien Lauf. Auf die Frage, wie es ihr denn gelingt, aus einem dicken Stück Holz ohne Vorlage einen Pferdekopf zu schnitzen, erklärt Viktoria Tempel mit einem Augenzwinkern: „Ich säge einfach alles weg, was nicht zum Pferdekopf gehört.“

Dabei musste sie ihre neue Leidenschaft schon kurz nach dem Entdecken fast wieder aufgeben. Vor zwei Jahren wurde die auf einem Zuchtbetrieb angestellte Pferdewirtin bei der Arbeit von einem wild gewordenen Pferd „überrannt“. Dabei erlitt Viktoria Tempel einen dauerhaften Schaden in ihrer linken Hand, so dass sie das Gelenk und die Finger nur noch eingeschränkt bewegen kann. Doch das Hobby aufgeben kam für die Künstlerin nicht in Frage: „Ich schnitze meine Tiere jetzt einfach in kleinen Etappen und gönne meiner Hand immer wieder eine Pause.“ Und so fliegen in ihrem Garten nach wie vor regelmäßig die Späne. „Als nächstes will ich mich an einer Kuh versuchen“, erzählt sie von ihren Plänen.