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Eine klebrig-süße Sache

Zur Raps- und Obstblütenzeit hatten die Bienen von Klaus Alpers richtig viel zu tun (Foto: sum)
 
Mit einer Entdeckelsgabel wird der Honig in den Waben freigelegt (Foto: Silke Umland)

WOCHENBLATT-Mitarbeiterin Silke Umland schaute Hobby-Imker Klaus Alpers über die Schulter


sum.
Ein leckeres Brötchen mit Honig aus der Region gehört für mich zum Frühstück ebenso dazu, wie eine heiße Tasse Kaffee. Doch wie findet der goldene Saft seinen Weg ins Glas. Um das zu erfahren, mache ich, WOCHENBLATT-Mitarbeiterin Silke Umland, mich auf den Weg zu Klaus Alpers (67), um ihm einen Tag lang beim „Honigklau“ über die Schulter zu schauen.
Der Hobby-Imker aus Krummendeich ist seit über 40 Jahren im Geschäft und beheimatet im Garten hinter seinem Haus 29 Bienenvölker der Sorte "Buckfast". „Diese Bienenart ist besonders friedlich“, erklärt mir Klaus Alpers und setzt sich nur einen Imkerhelm auf, während ich einen kompletten „Stachel-Schutzanzug“ und Handschuhe anziehe. Sicher ist sicher!
Zweimal im Jahr wird geerntet. „Die erste Ausbeute ist immer richtig gut“, berichtet der Rentner. Während im Frühjahr für die Immen ein großzügiges Angebot an Obst- und Rapsblüten zur Verfügung steht, sieht die Mahlzeit im Sommer und Herbst weniger üppig aus. „Kleewiesen gibt es kaum noch und die Linden in der Gegend werden nach und nach abgeholzt,“ erzählt der „Honig-Dieb“, während er seinen mit trockenem Torf gefüllten „Smoker“ anzündet. Er hebt den Deckel vom Bienenstock und pustet etwas von dem Rauch hinein. Für die Immen herrscht jetzt Feueralarm und sie ziehen sich sofort ins Innere zurück. Der Imker zieht eine prall gefüllte Wabe nach der anderen aus dem Stock und ich staune nicht schlecht über das Gewicht. Klaus Alpers erklärt mir stolz: „Meine Bienen sammeln bis zu 30 Kilo Honig pro Volk.“
Jetzt geht es zum Schleuderraum. Der Duft des Honigs ist nicht zu „überriechen“ und uns folgen sofort einige von den „Bestohlenen“. Deshalb erfolgen die weiteren Arbeiten hinter verschlossenen Türen. Mit gekonnten Handgriffen schnappt sich Klaus Alpers eine der Waben, legt sie auf ein Gestell und entfernt mit einer Entdeckelungsgabel die obere Wachsschicht. Das flüssige Gold kommt zum Vorschein und wird in einer Schleudermaschine aus den Waben katapultiert. Zweimal filtert der Hobby-Imker den Honig, damit keine Wachsreste oder anderen Rückstande im Glas landen.
Ich hätte nicht gedacht, dass es soviel Arbeit macht, bis mein Lieblings-Brotaufstrich endlich fertig ist. „Mit Hilfe meiner Tochter und meiner Enkelin dauert die Ernte rund eine Woche“, erklärt mir der ehemalige Zimmermann, auf den jetzt die „Maurerarbeit“ wartet. Mit einem speziellen Bohreraufsatz, der einem Mörtelrührer ähnelt, rührt Klaus Alpers zweimal täglich die süße Masse in den diversen 40-Liter Eimern. Er erläutert mir: „Sonst kristallisiert der Honig und man spürt Zuckerstückchen auf der Zunge.“ Erst wenn der Honig nach einigen Tagen auf diese Weise fest geworden ist, wird er auf etwa 40 Grad erwärmt, um wieder flüssig zu werden.
Ich stelle fest, dass die Honigernte eine ziemlich mühsamen und besonders klebrige Angelegenheit ist und auch Klaus Alpers scherzt: „Nach der Ernte fühle ich mich immer, als hätte ich selber im Honig gebadet.“ Doch gemeinsam freuen wir uns schon auf das nächste Brötchen mit dem süßen Aufstrich. Einfach lecker! Silke Umland