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Eine Landratte auf Regatta-Tour

Die Seemänner Sören Beckmann (v.li.), Steffen Tiedemann, Andy Hülsen, Marcel Möller und Kapitän Willi Decker (re.) nehmen WOCHENBLATT-Mitarbeiterin Silke Umland auf einen Segelturn mit
 
Ich darf sogar kurz das Steuer übernehmen, scheitere aber daran, dass ich backbord und steuerbord verwechsle

Segelverein kämpft um den Einzug in die Bundesliga / WOCHENBLATT-Mitarbeiterin segelt mit


(sum). Die Sonne scheint und der Wind weht. „Genau das richtige Wetter für einen Segeltörn“, begrüßen mich, die WOCHENBLATT-Reporterin Silke Umland, Willi Decker und seine vierköpfige Mannschaft aus Freiburg. „Ich falle ja jetzt schon ins Wasser,“ befürchte ich, als ich versuche, mit einem großen Schritt vom sicheren Festland auf die "Santa Catharina" zu gelangen. Doch mit Hilfe von Willi Decker komme ich schließlich sicher an Bord, wo ich in eine Ecke "verfrachtet" werde, um bei den Vorbereitungen nicht zu stören.

Während wir den Hafenpriel entlang tuckern, erklärt mir der Steuermann, dass die Segler-Vereinigung aus Freiburg im Oktober zum ersten Mal in Glücksburg (Flensburger Förde) versuchen wird, den Einzug in die zweite Deutsche Segel-Bundesliga zu schaffen. Dafür muss sich das Team aus dem Flecken an der Elbe bei mehreren 15-minütigen Kurzregatten gegen 59 Konkurrenten durchsetzen, um einen der ersten sechs Plätze zu ergattern. Zu den Gegnern gehören auch der Altländer Yachtclub und der Segler-Verein Stade.

Nach dem Erreichen der „offenen“ Elbe schaltet Willi Decker den Motor aus. Er ist ein richtiger Seebär und segelt schon seit 45 Jahren. Vor seinem Ruhestand war er als Wasserschutzpolizist in Cuxhaven tätig. Die Vorschiffsmänner Sören Beckmann und Steffen Tiedemann setzen zwischenzeitlich das Großsegel und lassen es immer richtig im Wind stehen. Später kümmern sie sich auch darum, dass der markant bunte Spinnaker aus seiner Umhüllung schnellt, damit das Schiff bei achterlichem Wind noch mal richtig Tempo aufnimmt. Hinten im Heck sitze nicht nur ich ganz brav auf meinem Platz, sondern Marcel Möller und Andy Hülsen hüpfen fleißig hin und her und bedienen die Schotwinden, mit denen die Seile für die verschiedenen Segel auf der einen Seite gelöst und auf der anderen Seite wieder festgezurrt werden. Die vier jungen Männer sind zwischen 20 und 30 Jahre alt und segeln schon von klein auf in der seit 1927 bestehenden und mittlerweile 200 Mann starken Segler-Vereinigung.

Nur vom Wind begleitet und aus der Ferne von einem Seehund beobachtet, erklärt mir Willi Decker: „Auf der Elbe können wir nur in Maßen trainieren“. Die Niederelbe stellt durch die Sandbänke und Inseln zwar ein interessantes Segelrevier dar, durch die Tidenverhältnisse ist ein Training jedoch nur bedingt möglich. Daher nehmen die Boote regelmäßig an verschiedenen Regatten auf der Nord- und Ostsee teil. An der bevorstehenden Qualifikation dürfen außerdem nur Regattaboote der Klasse "J70" oder B/one" teilnehmen, über die der Verein jedoch bislang noch nicht verfügt. Die Mannschaft bekommt von der Bundesliga daher ein solches Schiff gestellt, mit dem sie zwei Tage vor den Rennen trainieren kann.

Jetzt wollen mir die fünf Männer aber endlich ein Wendemanöver zeigen. Willi Decker gibt den Befehl: „Klar zur Wende“. Die Jungs machen sich an die Arbeit und das Schiff legt sich mächtig in die Kurve. Ich halte mich vorsichtshalber fest und bin doch etwas erleichtert, als das Schiff wieder gerade auf der Elbe segelt, in dem sich die Männer entweder back- oder steuerbord auf die hohe Kante setzen. Das Spielchen wiederholen wir einige Male und zum Schluß macht auch mir der Törn richtig Spaß.

Bevor wir in den Hafen zurück schippern und das Training beendet wird, darf ich mich mal als Steuerfrau versuchen. Ich übernehme das Ruder, scheitere aber schon kurz darauf an meiner Aufgabe, weil ich mir einfach nicht merken kann, ob steuerbord nun rechts oder links bedeutet. Zum Glück nehmen die erfahrenen Seemänner es mit Humor und werfen mich nicht über Bord. Silke Umland