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Fischen im Trüben

Uwe Mommert (li.) und Peter Scholz (re.) helfen Nick Ludewig beim Aufsetzen der Tauchermaske (Foto: sum)
 
Azubi Malte Umlandt hilft dem Froschmann Nick Ludewig, wieder an Deck zu steigen (Foto: Silke Umland)

Tauchgruppe des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts untersucht Oste-Sperrwerk


sum. Balje/Neuhaus. Wer in der vergangenen Woche vom Oste-Sperrwerk Balje/Neuhaus einen Blick in den Fluss warf, bekam zwar keinen Wal oder Delphin zu Gesicht, mit Glück aber einen Froschmann. Die Tauchgruppe des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) führte im Unterwasserbereich des Sperrwerks Untersuchungen durch.

„Mindestens einmal im Jahr wird geprüft, ob das Sperrwerk im Sohlbereich Schäden aufweist, die repariert werden müssen“, erklärt Peter Scholz, stellvertretender Außenbezirksleiter des WSA Cuxhaven. Da das Cuxhavener Amt keine eigenen Taucher beschäftigt, reiste am Montag eine dreiköpfige Tauchergruppe aus Brunsbüttel an, um fünf Tage lang im wahrsten Sinne des Wortes im Trüben zu fischen. Da das Sonnenlicht gerade mal rund 30 Zentimeter der Oste durchdringt, die Unterwasserbauten des Sperrwerks jedoch in bis zu neun Meter Tiefe liegen, müssen die Taucher die Schäden erspüren.

„Das erfordert Fingerspitzengefühl“, erklärt Michael Lukat und hilft seinem jungen Kollegen Nick Ludewig beim Verschließen des Neoprenanzugs und Aufsetzen der Sauerstoff-Ersatzflasche. Während Lukat dem Sturmflutschutz an der Oste schon seit über 30 Jahren auf den Grund geht, ist es für den 26-Jährigen Ludewig der erste Taucheinsatz an diesem Sperrwerk. Nach einer Lehre zum Feinwerksmechaniker entschloss sich der junge Mann, auch die zweijährige Ausbildung zum Taucher zu absolvieren. Seit einem Jahr arbeitet Nick Ludewig nun als Taucher und findet sich im Dunkeln mittlerweile gut zurecht. Nach dem Aufsetzen der Tauchermaske, mit der er über einen 16 Meter langen Schlauch von dem WSA-Arbeitsschiff „Mittelgrund“ aus mit Sauerstoff versorgt wird, steigt der Froschmann über eine Leiter in die dunklen Fluten.

„Dabei ist die Oste noch klar“, erzählt Uwe Mommert, der dritte Taucher im Bunde, mit einem Schmunzeln, „in Brunsbüttel sind die Kanäle noch dunkler.“
Über einen kleinen gelben Kasten besteht durchgehend Funkkontakt mit dem Taucher und ein regelmäßiges, rasselndes Atemgeräusch ist zu hören. Der Taucher orientiert sich unter Wasser nur an einer Führungslinie, die zuvor von Uwe Mommert, WSA-Baggerfahrer Wolfgang Schlickau und dem Schiffsmechaniker-Azubi Malte Umlandt mit dem Beiboot von einem Pfeiler des Sperrwerks zum anderen zu Wasser gelassen wurde. „Bei uns an Bord fasst jeder dort mit an, wo er gerade gebraucht wird“, erklärt Peter Scholz, der über Funk den Sperrwerksmitarbeitern durchgibt, dass sie die mittleren Stemmtore schließen sollen, damit die Strömung nicht zu stark ist. Trotzdem ist die Aufgabe nicht ganz ungefährlich. Neben der Strömung im Bereich der Betonwände stellen auch unvorsichtige Bootsführer eine Gefahr für die Taucher dar. Daher beobachtet Kapitän Frank Thienel oben auf Brücke der SG Mittelgrund sorgsam den Schiffsverkehr und verfolgt den Funk, damit seine Kollegen nach jedem Einsatz zwar triefend nass, aber unversehrt wieder aus der Oste steigen.