Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Flucht-Tragödie ganz nah

Gefühlvoll berichteten Paul (v.li.), Janina, Lea und Neele über das Schicksal der Flüchtlinge, die vor Lampedusa kenterten (Foto: sum)
Realschüler aus Freiburg befassten sich mit der gefährlichen Reise der Flüchtlinge

sum. Freiburg. Ruhige italienische Musik spielt im Hintergrund, auf der Leinwand ist erst eine verängstigte Mutter mit ihrem kleinen Kind zu sehen, anschließend ein gekentertes Boot, das auf dem Meer schwimmt. Auf der dunklen Bühne sitzen vier Schüler an einem Pult und warten. Dann geht das Licht an und mit Janina (15), Neele (15), Paul (16), Lea (16) sowie ihren Klassenkameraden der zehnten Realschulklasse erleben die Gäste der Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“ in der Aula der Grund- und Oberschule Freiburg das Schicksal der Flüchtlinge vom 3. Oktober 2013.

Bereits während einer Projektwoche vor den Sommerferien setzten sich die 22 Realschüler der Abschlussklasse mit der Flüchtlingskrise auseinander und stießen bei ihren Recherchen auch auf eine der schlimmsten Tragödien im Mittelmeer. Vor drei Jahren kenterte vor der italienischen Insel Lampedusa ein mit 545 Flüchtlingen völlig überladener Kutter und 366 Menschen ertranken. Gemeinsam mit ihren Lehrern Slawonir Siewior und Annemarie Gölzer beschlossen die Schüler, an dem Projekt der Arbeitsgruppe „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“ aus Hannover teilzunehmen. Die Jugendlichen organisierten in Eigenregie die Lesung, kümmerten sich um die Technik und verteilten über 100 Plakate von Cuxhaven bis Stade. In der Lesung berichteten sie mit viel Gefühl über das damalige Schicksal aus Sicht der Flüchtlinge, der Retter und der Inselbewohner. "Das geht einem schon sehr nahe", gibt Janina zu.

Auch Erika Hatecke von der Samtgemeinde gesteht: „Es fällt schwer, professionelle Distanz zu bewahren." Im Rahmen der Veranstaltung berichtete sie über die Situation in Nordkehdingen. Derzeit leben 135 Flüchtlinge in den fünf Mitgliedsgemeinden, die von mehr als 80 Ehrenamtlichen betreut und in die Gemeinschaft integriert werden.

Doch dass das damalige Schicksal vor Lampedusa noch heute aktuell ist und allein in diesem Jahr schon mehr als 3.600 Menschen bei ihrer Flucht im Mittelmeer ertranken, machte ein Gespräch zwischen Lehrer Siewior und den Siebtklässlern Zheynab und Hadi klar. Sie traten im vergangenen Jahr mit ihren Familien die gefährliche Reise nach Deutschland an, die auch sie über das Meer führte. Heute sind sie froh, in Nordkehdingen ein neues Zuhause gefunden zu haben und zur Schule gehen zu dürfen.