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Gesa Rottstedt aus Hechthausen arbeitet seit 50 Jahren als Buchbinderin

Bücher sind ihre Leidenschaft: Gesa Rottstedt (Foto: am)
am. Hechthausen. Gesa Rottstedt (67) mag es, wenn alles bleibt wie es ist. Im vergangenen Jahr hat sie aber gleich zwei große Veränderungen erlebt: Ihr Mann ist nach einer Krankheit plötzlich verstorben und sie ist mit ihrem Geschäft in Hechthausen in kleinere Räumlichkeiten umgezogen. Ihr Geschäft, das ist eine Buchbinderwerkstatt. Das Handwerk ist seit 50 Jahren eine Konstante in Gesa Rottstedts Leben.
Ihre Ausbildung machte sie damals zusammen mit 30 anderen Schülern in Hamburg. "Eigentlich wollte ich Dekorateurin werden, aber ich hatte die mittlere Reife nicht", sagt die lebenslustige Frau. "Also ging ich zur Berufsberatung und die sagten mir, ich solle Buchbinderin werden." Sie machte ein Praktikum in einer Werkstatt und der Beruf gefiel ihr auf Anhieb. Aus einer Tätigkeit wurde eine Leidenschaft. "Ich habe eine Liebe zu dem Beruf entwickelt."
In der Ausbildung zur Buchbinderin fand sie noch eine andere Liebe, ihren Mann. Mit ihm übernahms sie 1982 den Betrieb der Schwiegereltern. "Obwohl wir beide Buchbinder waren, war die Werkstatt mein Reich. Mein Mann hat andere Aufgaben im Betrieb übernommen", sagt Gesa Rottstedt. Sie schnitt und leimte die Seiten, band Zweitschriften zu großen Büchern, presste die Goldlettern auf die Einbände und gab alten Schätzen ein neues Gewand. Und das tut sie bis heute, obwohl sie eigentlich schon in Rente ist.
"Das Handwerk wird vermutlich nie ganz aussterben", sagt die Buchbinderin, "aber es gibt immer weniger, die es nach den alten Regeln der Kunst machen." Die Großbuchbindereien produzieren schneller und günstiger. Zwar bindet Gesa Rottstedt auch neue Bücher, beispielsweise für Archive oder Bibliotheken, doch am meisten freut sie sich, wenn sie für einen Menschen - wie sie es nennt - ein "Herzensbuch" reparieren kann. Es sind vor allem ältere Menschen, die mit liebgewonnenen Stücken zu ihr kommen, mit alten Gesangsbüchern, Märchensammlungen oder Bibeln. "Ich gebe mir Mühe, den ursprünglichen Charakter zu erhalten, und die Menschen sind glücklich", sagt die Rentnerin.
Sie ist auch gern kreativ. So hat sie ein besonders Buch entworfen: Statt Papierseiten bindet sie Banknoten - ein schönes Geschenk zur Hochzeit oder zur Konfirmation. "Ich habe dem Büchlein den Namen 'Notenbuch' gegeben", sagt sie. "Zwischen die Banknoten kann man auch kleine Sprüche legen." Sie fertigte kleine Einbände mit verschiedenen Mustern in Größe von Banknoten an.
Das Buchbinden sei eine körperliche Arbeit, ein richtiges Handwerk, so die Rentnerin. "So lange es geht, möchte ich aber weitermachen." Vielleicht, so hofft sie, könnte irgendwann einmal ihr Sohn den Betrieb übernehmen.
Infos und Kontakt: www.ihrebuchbinderei.de oder info@ihrebuchbinderei.de