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Gibt es doch Wölfe im Landkreis Stade?

Handelt es sich bei dem fotografierten Tier (am rechten Bildrand) um einen Wolf?
 
Wenn es tatsächlich einen Wolf gibt, hofft Holger Wegner, dass er in die "Fotofalle" tappt.

Zwei Rehe innerhalb von zwei Wochen gerissen / Wildkamera zeigt den vermutlichen Räuber von hinten

sum. Neuland. „Rotkäppchen, gib acht, wenn du durch das Moor gehst“, so würde wohl Familienvater Holger Wegner (41) aus dem nördlichen Landkreis Stade das Märchen der Gebrüder Grimm für seine beiden Kinder umdichten, wenn er mit seiner Vermutung richtig liegt. Denn nach einer Sichtung, zwei gerissenen Rehen und einer Nachtbildaufnahme geht er davon aus, dass ein Wolf sein kleines Heimatdorf aufgesucht hat.
Er berichtet, dass vor etwa vier Wochen sein Nachbar zum ersten Mal in Engelschoff-Neuland (Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten) den grauen Räuber sichtete und die örtlichen Jäger einschaltete. Mit einem Pfoten-Gipsabdrucks wandten sie sich an den Wolfsberater Uwe Seggermann vom Landkreis Stade, der bestätigte, dass es sich entweder um einen sehr großen Hund oder einen Wolf handelt. Eine eindeutige Zuordnung konnte er aber nicht machen.
Nur zwei Wochen später entdeckte Holger Wegner 200 Meter von dem Familenheim entfernt ein totes Reh im benachbarten Apfelhof. „Die gesamten Hinterläufe waren bis zum Bauch weggefressen,“ beschreibt er den damaligen Anblick. Auch hier informierte er sofort die Jäger. Der erfahrene Waidmann Dieter Wedemeier aus Neuland untersuchte das Tier gemeinsam mit einem Kollegen und entdeckte neben den Fraßspuren auch den seiner Meinung nach für einen Wolf typischen Kehlbiss.
"Wolfs-Ermittler" Wegner brachte seine Wildkamera am mit Tannen bepflanzten hinteren Grundstücksteil in Stellung. Dort queren die Rehe das Grundstück der Familie besonders gerne. „Bislang gab es immer nur Fotos von Rehen, Mardern oder Hasen“, erklärt Holger Wegner, „doch jetzt hoffte ich natürlich, auch den Wolf vor die Linse zu kriegen.“
Statt eines Fotos gab es nur knapp 1,5 Kilometer von der ersten Fundstelle entfernt am vergangenen Wochenende einen erneuten Reh-Riss. Dieses Mal war der Kehlbiss eindeutig zu erkennen und auch die Hinterläufe wurden erneut angefressen. Um endlich einen eindeutigen Wolfsnachweis zu erlangen, ließen die Jäger den Kadaver liegen und installierten hier eine weitere Wildkamera.
Als Holger Wegner sein Gerät vor einigen Tagen kontrollierte, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Am rechten Bildrand war definitiv ein Hundetier bei Nacht zu erkennen, doch leider nur von hinten und nur unscharf. Um einen Vergleich anzustellen, machte sich der Familienvater im Internet auf die Suche nach einem passenden Bild, was sich als schwierig gestaltete, da der grauhaarige Räuber nur selten von hinten abgelichtet wird. Doch er wurde fündig und ist sich ebenso wie die Jäger ziemlich sicher: „Dem Schwanz und den Beinen nach zu urteilen, kann das nur ein Wolf gewesen sein.“
Wolfsberater Seggermann ist mit seiner Meinung zurückhaltender, gibt aber auf Rückfrage des WOCHENBLATT zu, dass aufgrund der Gesamtheit der Vorfälle nicht auszuschließen sei, dass ein Wolf den Weg nach Neuland gefunden hat.
Holger Wegner und auch die Jäger vor Ort werden in den kommenden Wochen ihre "Ermittlungen" fortführen. Sie wünschen sich einerseits, dass ihnen die eindeutige Identifizierung eines möglichen Wolfes gelingt. Anderseits hoffen sie in diesem Fall, dass der Isegrim nicht vorhat, in dem Gebiet dauerhaft ein Revier aufzubauen, sondern nur auf Partnersuche ist und daher bald weiterziehen wird.

• Weitere Informationen zum Verhalten bei Wolfssichtungen gibt es auf www.landkreis-stade.de, Suchbegriff "Wolf".